Suche / Infoleiste öffnen
/Praxis
/C2 Illustrative Praxisbeispiele
/C2.7 Kreislauffähig
/Metallabfälle – rezyklierbar, aber mit Einschränkungen

C2.7

3 Metallabfälle – rezyklierbar, aber mit Einschränkungen

Eine Materialgruppe, die sich vom Prinzip her besonders gut aufbereiten lässt, sind Metalle. Sowohl Eisen- als auch Nichteisen-Metalle (NE-Metalle) wie z. B. Aluminium lassen sich nach einer Nutzung wieder einschmelzen. Dabei werden gegenüber der ursprünglichen, primären Herstellung meist sehr deutlich Energie- und Hilfsstoffe eingespart. Viele „Verunreinigungen“ aus dem ersten Lebensweg wie Lackierungen oder andere Beschichtungen verbrennen beim Wiedereinschmelzen oder sie werden in die entstehenden Ofenschlacken überführt. Rein theoretisch können Metalle also in höchster Qualität wieder aufbereitet und in den Wirtschaftskreislauf zurückgespeist werden.

Dieser „perfekte“ Kreislauf scheitert in der Praxis allerdings häufig. So gibt es eine Reihe von Legierungsbestandteilen, die sich beim Wiedereinschmelzen nicht wieder abtrennen lassen, während andere ebenfalls in die Schlacken gehen. Damit haben die erzeugten Sekundärmetalle eine in Teilen unbestimmte Zusammensetzung und so auch entsprechend undefinierte Eigenschaften. Noch gravierender sind Zusammenführungen „unverträglicher“ Metalle. Dies ist z. B. der Fall, wenn Stahl und Kupfer, die in Produkten vielfach eng miteinander verbunden werden, gemeinsam ins Recycling gelangen, denn bereits vergleichsweise geringe Kupfergehalte beeinträchtigen die Materialeigenschaften von Stahl nachhaltig.

Bereits diese einfachen Beispiele zeigen, dass es aus Sicht der Kreislaufführung nicht nur darum geht, ob ein Material in einem Altprodukt als solches rezyklierbar ist, sondern auch darauf, ob dies unter den realen Entsorgungsbedingungen tatsächlich stattfindet und/oder stattfinden kann.

Ein derzeit viel zitiertes Beispiel für eine möglicherweise fehlinterpretierte Verwendung der Begrifflichkeit „recycelbar“ sind die Kaffeekapseln von Nespresso. Es soll im vorliegenden Dokument nicht bewertet werden, ob Kaffeekapseln aus Aluminium notwendig oder aus Umweltsicht vertretbar sind.

Hier soll lediglich das Recycling derartiger Aluminiumabfälle und die damit verbundenen Hürden illustriert werden. Außerdem werden Maßnahmen dargestellt, mit denen Produkthersteller sich bemühen, diese Hürden zu einer sinnvollen Kreislaufwirtschaft aus dem Weg zu räumen. Dieses Beispiel soll Produktdesignern helfen, die Thematik zu verstehen und ihren Kunden in solchen Themenbereichen beratend zur Seite zu stehen.

Abbildung 2: Nespressokapseln aus Aluminium

Nespresso bezeichnet in seiner Werbeaussage Aluminium als Metall, das unbegrenzt wiederverwertbar ist. Diese Aussage ist so korrekt.

Richtig ist außerdem, dass die leichten Nespressokapseln in Sortieranlagen für Verpackungsabfälle nur schwierig als Aluminium erkennbar bzw. aussortierbar sind. Hinzu kommt, dass die Nespressokapseln in vielen Ländern gemeinsam mit dem Restmüll entsorgt werden, u. a. deshalb, weil sie dort nicht als Verpackungen eingestuft werden. Richtig ist weiterhin, dass diese hauchfeinen Aluminiumhüllen nur sehr schwierig in die Schmelzprozesse eingebracht werden können, da sie bei den notwendigen Schmelztemperaturen einfach „mit einem Puff“ zu verbrennen.

Das bedeutet: die Kapseln sind zwar theoretisch recycelbar, in der Praxis steht einem tatsächlichen Recycling jedoch einiges entgegen, geschweige denn, dass sie (ohne weitere Maßnahmen) wieder zu einem neuen Leben als Kaffeekapsel gelangen.

Das Etikett „recycelbar“ ist in Bezug auf die Aluminiumkapseln also doch kritisch zu hinterfragen. Das hat Nespresso auch getan.

Da Nespresso seine Produktqualität dennoch am besten in Aluminiumkapseln geschützt sieht, gleichzeitig jedoch auch das theoretische Kreislaufpotenzial des Materials nutzen möchte, hat sich dieses Unternehmen den Hindernissen des Recyclings mit vergleichsweise hohem Aufwand gestellt.

Die Anforderungen an Lebensmittelverpackungen, aus Gründen der Lebensmittelsicherheit nur Primäraluminium zu verwenden, kann von einem Marktakteur nicht beeinflusst werden. Allerdings ist Nespresso (nach eigener Aussage) aktiver Partner einer Initiative, die bestrebt ist, Primäraluminium nachhaltiger zu beschaffen (Supply-Chain-Optimierung).2

Die Problematik der schwierigen sortenreinen Erfassung versucht das Unternehmen zu umgehen, indem ein eigenes Rücknahmesystem etabliert wurde. Die Kapseln können vom Konsumenten gesammelt und in vielen Regionen und Ländern in Shops (Nespresso-Boutiquen) oder örtlichen Sammelstellen zurückgegeben werden. Alternativ holt ein Kurierdienst die gebrauchten Kapseln ab. Alleine in der Schweiz gibt es 3.800 Sammelstellen. Laut Unternehmensangaben wird in der Schweiz eine Sammelquote von 99 % erreicht. In anderen Ländern unterstützt Nespresso die Entwicklung und Einführung von Technologien zur Sortierung von kleinen Aluminiumteilen, wodurch nicht nur die Kapseln, sondern auch andere Aluminiumkleinteile (Flaschendeckel, Tierfutterbehälter) für die Aufbereitung separiert werden können.3

Durch die gezielte Sammlung kann das Aluminium dann auch so vorbereitet werden, dass ein Wiedereinschmelzen problemlos möglich wird.

Nespresso arbeitet an der weiteren Ausweitung der Sammelstellen und investiert in die Verbesserung der Recyclingoptionen. Außerdem informiert die Firma seine Kunden, zu denen über ein Club-System eine enge Beziehung besteht, über die Problematik des Recycling und hält die Konsumenten mit gutem Erfolg zur Sammlung und Rückgabe der Kapseln an.4

Wie bereits erwähnt, geht es in diesem Beispiel nicht um die grundsätzliche ökologische Bewertung dieses Verpackungssystems, sondern um die Darstellung der Unterschiede zwischen den theoretischen Möglichkeiten und den praktischen Gegebenheiten des Recycling von Materialien. Auch zeigt das Beispiel eindrücklich, welcher Aufwand ggf. notwendig wird, um den Schwächen eines Kreislaufführungssystems entgegen zu wirken.

Suche schließen