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C2.6

6 Nutzung von Zuschneideabfällen aus Schafwolle

Dieses Produktbeispiel, das einer der Gewinner des Bundespreises Ecodesign aus dem Jahre 2013 ist, könnte theoretisch auch bei dem Ökodesign-Prinzip „Materialeffizienz“ eingeordnet werden, denn die Teppiche bestehen aus Produktionsresten, die sinnvoll und hochwertig weiterverarbeitet werden. In der Beschreibung des Bundespreises Ecodesign zu diesem Produkt fällt außerdem der Begriff „Upcycling“8, was eine Einordnung beim Thema „Materialeffizienz“ unterstützen würde. Ein anderer wichtiger Aspekt dieses Ecodesigns ist aber auch der ökologisch sinnvolle Einsatz eines nachwachsenden Rohstoffes.

Second Life Rugs sind handgeknüpfte Hochflorteppiche aus Lana Cotta, also reiner, gekochter Schurwolle. Im Themenheft „Nachwachsende Rohstoffe“ wurde bereits darauf hingewiesen, dass auch nachwachsende Rohstoffe mit erheblichen Umweltlasten einhergehen können. Das ist auch bei Schurwolle der Fall. Bei der Gewinnung von Schurwolle kommt in vielen Fällen ein industrialisierter und absolut inakzeptabler Umgang mit den Tieren hinzu.

Ein Teppich aus Schurwolle hat also eine um ein Vielfaches schlechtere Umweltbilanz (und wenn man das Tierleid so einordnen will, auch eine schlechtere Sozialbilanz) als beispielsweise ein Teppich aus Polyamidfasern. Allerdings muss hinzugefügt werden, dass es sich zwar in beiden Fällen theoretisch um den gleichen Nutzen handelt, nämlich je nach Produkt und Nutzung um Teppich, Bodenbelag und/oder Dekoration. Allerdings sind verschiedene Arten von Teppich in ihrer Wirkung nicht miteinander vergleichbar. Je nach Art des hergestellten Produktes führt eine Materialsubstitution auch zu einem anderen Produkt, weil z.B. ein Teppich auch Schurwolle haptisch nicht durch eine Kunstfaser zu ersetzen ist.

Wie kann also trotzdem ein hochwertiger Design-Teppich aus Schurwolle entstehen, der die Bezeichnung Ecodesign verdient?

Die Designerin Ute Ketelhake greift auf bereits gesponnene und gefärbte Produktionsüberreste reiner und hochwertiger Schurwolle aus kontrolliert biologischer Tierhaltung zurück. Die Verwendung von Produktionsüberresten (die sonst entsorgt würden) „entlastet“ das  eigentlich umweltintensive Material.

Auf diese Weise wird einerseits ökologisch und qualitativ hochwertiges Material vor einer minderwertigen Behandlung als Abfall „gerettet“, während andererseits das Einsatzmaterial für die Teppiche mit rechnerisch minimalen Umweltlasten einhergeht. Durch das Design der Teppiche an sich, das spielerisch die bereits gefärbten Wollstoffabschnitte in die Optik integriert, wird das Material ohne weiteres Abfallaufkommen sehr effizient verarbeitet.

Abbildung 5: Second Life Rugs – handgefertigte Teppiche aus Schurwolle
(Quelle: www.bundespreis-ecocesign.de)

Die Teppiche sind Unikate und hochwertig und für Langlebigkeit verarbeitet. Zusätzlich werden die Teppiche in Kooperation mit sozialen Netzwerken, Werkstätten oder benachteiligten Personengruppen hergestellt.

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