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C2.6

4 Biokunststoff auf Basis von Maisstärke

Im Jahr 2011 ließ Danone eine Joghurt-Verpackung aus Biokunststoff bilanzieren, von der eine bessere Umweltbilanz erwartet wurde als vom herkömmlichen auf Mineralöl basierenden Verpackungskunststoff. In einer Ökobilanz wurden zwei in Frage kommende Kunststoffe über ihren gesamten Lebenszyklus verglichen: Polylactidacid (PLA), welches auf Maisstärke basiert, und mit dem durch seine Materialeigenschaften außerdem ein geringeres Verpackungsgewicht realisiert werden konnte, sowie das ursprünglich für diese Becher verwendete Polystyrol (PS).3

Abbildung 3: Danone-Joghurtbecher aus PLA (Quelle: Internet)

Relevant für die Auswahl des konkreten Biokunststoffes war unter anderem die Tatsache, dass dieses Material in der von Danone benötigten Menge hergestellt werden konnte – ein wichtiger Aspekt, der bei der Auswahl alternativer Materialien immer berücksichtigt werden muss.4

Für Danone besonders relevante Umweltaspekte bei der Erstellung der Ökobilanz waren der Schutz des Klimas und die Schonung fossiler Ressourcen. In beiden Kategorien hat der Biokunststoff wie erwartet besser abgeschnitten als das Polystyrol. Allerdings waren die Umweltwirkungen zum Zeitpunkt der Bilanzerstellung in den Bereichen Versauerung, Eutrophierung, Humantoxizität (Feinstaub) sowie Naturraumbeanspruchung (Agrarfläche) für den Biokunststoff relevant ungünstiger.5 Vor diesem Hintergrund wurde die Werbeaussage von Danone, dass es sich um eine besonders umweltfreundliche Verpackung handele, von kritischen Verbrauchergruppen öffentlich attackiert.

Aus fachlicher Sicht lässt sich tatsächlich keine Aussage treffen, welches der Materialien nun „ökologischer“ oder „umweltfreundlicher“ ist, da der Schutz der einzelnen Kompartimente nicht gegeneinander abgewogen werden kann.

Die Ursache für diese Ergebnisse lag vor allem darin begründet, dass der (bilanzierte) Rohstoff für den Biokunststoff – Mais – nicht aus Abfallprodukten bzw. Koppelprodukten bestand, sondern eigens dafür angebaut wurde. Unter anderem der Einsatz von Düngemitteln, Pestiziden sowie Intensivlandwirtschaft mussten dadurch vollständig der Produktion des Rohstoffes zugerechnet werden und haben so zu einer ungünstigen Ökobilanz geführt.

Dies zeigt, dass bei der Auswahl der Materialien nicht nur relevant ist, um welche Art Material es sich handelt (bspw. nachwachsender Rohstoff), sondern auch, aus welcher „Quelle“ er stammt und wie die Herstellungsbedingungen sind. Sonst können gut gemeinte Ansätze durchaus negative Umwelteffekte hervorrufen. Die Verwendung von Abfallprodukten (Stärke) aus der Herstellung landwirtschaftlicher Produkte – die durchaus forciert wird – kann Ökobilanzergebnisse für dasselbe Produkt erheblich positiv beeinflussen.6

3/ 4/ 5 Ökobilanz von Danone Activia-Verpackungen aus Polystyrol und Polylactid. Ifeu- Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg GmbH. Heidelberg, 2011.

6 Wie Datensätze für eine Bilanzierung in dieser Hinsicht zusammengesetzt sind, ist jeweils in ihrer Dokumentation nachlesbar (s. Themenpapier B2.3 Analyse- Bewertungsinstrumente).

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