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C2.5

2 Quecksilber in Energiesparlampen

Im Jahr 2012 war es endgültig soweit: Auch die letzten Glühbirnen mussten vom Markt genommen werden. Was der Einsparung von Energie diente, wurde bei den Verbrauchern kontrovers diskutiert, denn die Energiesparlampe war wenig beliebt. Dafür gab es viele Gründe. Eines der angeführten Argumente war ein Problemstoff, der nun neuerdings in den Leuchtmitteln enthalten war und so dem Verbraucher direkt ins Haus geliefert wurde: Quecksilber.

Während alte Leuchtstoffröhren noch bis zu 15 Milligramm Quecksilber enthalten haben, liegen die neuen Energiesparlampen nur noch bei etwa 2 Milligramm. Zwar ist das Quecksilber in der Lampe hermetisch verschlossen und die Lampe ist daher im normalen Betrieb völlig ungefährlich. Zerbricht die Lampe jedoch, kann das gefährliche Quecksilber freigesetzt werden. Dass Energiesparlampen daher nicht im normalen Hausmüll entsorgt werden dürfen, unterstreicht für die Verbraucher die Gefährlichkeit des Stoffes.

Was hat nun gerade dieser Fall bei Beispielen zur Problemstofffreiheit zu suchen? Es ist ein klassischer Fall der Verschiebung des Problemstoffes und der Wahrnehmung durch den Verbraucher.

Ein kurzer Exkurs: Der deutsche Primärenergieverbrauch wird zu knapp 25% durch Kohle gedeckt (Stand 2013). Bei der Energieerzeugung durch Kohle­kraftwerke wird bei der Verbrennung der Kohle Quecksilber freigesetzt. Kohlekraftwerke sind in Deutschland für rund zwei Drittel der Quecksilber­emissionen verantwortlich. Bei der Emission aus den Kraftwerken liegt das Schwermetall Quecksilber gasförmig vor, wodurch es besonders leicht und fein verteilt wird. Nun können Schwermetalle in der Umwelt erstens nicht abgebaut werden und Quecksilber wird zweitens in der Umwelt außerdem in eine giftige organische Quecksilberverbindung umgewandelt – Methylquecksilber – und gelangt so bioverfügbar in die Nahrungskette.

Die klassische Glühbirne verbraucht im Durchschnitt fünfmal so viel Strom wie eine Energiesparlampe. Durch den Einsatz der Energiesparlampen werden also die Quecksilberemissionen durch die Stromerzeugung drastisch reduziert und die Gesamt-Quecksilberbelastung sinkt.

Während zunächst der Problemstoff unkontrollierbar emittierte, sich in der Umwelt zu einer bioverfügbaren Verbindung veränderte und durch die Nahrungskette transportiert wurde, wird er nun in einer deutlich geringeren absoluten Menge und unter kontrollierbaren Bedingungen eingesetzt, die seine Gefährlichkeit stark einschränken (zur Exposition von Gefahrstoffen etc. s. Themenpapier B1.5 Problemstoffarmut).

Die Risiken für Personen, insbesondere Kinder, durch Zerbrechen einer Energiesparlampe sollen damit nicht beschönigt werden. Dieses Beispiel soll lediglich aufzeigen, welche Möglichkeiten im Produktdesign zur Verfügung stehen, Gesamtbelastungen durch Problemstoffe zu verändern und Gefahren für Verbraucher insgesamt zu minimieren.

Natürlich sind alle Lösungen besser, in denen ganz auf jegliche Problemstoffe verzichtet werden kann, und die sich mittlerweile immer weiter durchsetzenden LED-Lampen sind ein weiterer Schritt in dieses Richtung. Auch sie sind nicht vollständig frei von gefährlichen Stoffen, doch hier werden nur noch wenige ppm der leuchtaktiven Substanzen in einen Kunststoffkörper eingegossen und neuere Entwicklungen in der Leuchtdiodentechnik lassen hoffen, dass in dieser Technologie demnächst ganz auf sie verzichtet werden kann. (Weitere Informationen zu Problemstoffen in LED-Lampen findet der interessierte Leser in einer Expertise unter dem folgenden link: http://www.oekopol.de/archiv/material/551_1_Oekopol_LED_Endbericht_Aug%202013.pdf). 

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