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C2.5

3 Kritische Rohstoffe in Smpartphones

Nicht nur Stoffe mit gefährlichen Eigenschaften für Mensch und Umwelt sind Problemstoffe, auch Rohstoffe, die unter besonders problematischen Bedingungen gewonnen werden, sollten dazu gezählt werden. Nun gibt es eine Reihe sogenannter Konfliktrohstoffe, die sich meist in elektronischen Geräten finden, unter anderem in solchen, die unsere Gesellschaft gerne und häufig austauscht. Die Gründer von FairPhone haben versucht, sowohl die kritischen Bestandteile eines solchen Gerätes, nämlich eines Smartphones, möglichst frei von Problemstoffen herzustellen als auch ein Problembewusstsein in der Gesellschaft zu schaffen.

Das Ziel von FairPhone ist es, ein langlebiges Smartphone unter möglichst guten sozialen und ökologischen Bedingungen der Rohstoffgewinnung und Fertigung herzustellen. Es soll, soweit möglich, mit „konfliktfreien Rohstoffen“ produziert werden, welche die Bedürfnisse der Arbeiter durch Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie faire Löhne an erste Stelle stellen und aus deren Gewinnen keine illegalen Armeen finanziert werden.

Es war klar, dass dies zu Beginn des Projektes schwierig werden wird. Im Verlauf des Projektes hat sich gezeigt, dass es auch nach einiger Zeit noch kaum machbar ist. Ziel des Projektes war es jedoch vor allem, auf Missstände in der Lieferkette hinzuweisen, Transparenz einzufordern und so langfristig für Veränderungen in der Branche und der Gesellschaft zu sorgen. Das ist gelungen.

In vielen elektronischen Geräten auch großer Konzerne finden sich in der Zwischenzeit „konfliktfreie Rohstoffe“. Die Konzerne haben sich aus Minen in Krisengebieten zurückgezogen. FairPhone tut nun zum Teil das genaue Gegenteil und bezieht in Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen Rohstoffe aus genau den Minen, die nun von Konzernen gemieden werden. Weshalb kann das ebenso sinnvoll sein?

Arbeiter aus nun geschlossenen Minen haben wenig andere Alternativen als sich örtlichen Milizen anzuschließen, um ihre Familien zu ernähren. So werden Konflikte weiter befeuert und Einzelschicksale besiegelt. Dem tritt FairPhone mit seiner Initiative entgegen.

FairPhone hat es bisher nicht geschafft, ein wirklich vollständig „faires“ Mobiltelefon auf den Markt zu bringen – die Zusammenhänge der Rohstoffgewinnung sind zu komplex, die Strukturen zu verwoben und das Projekt FairPhone ist vielleicht zu klein. Aber sie haben es geschafft, eine ganze Branche dazu zu bringen, ihre Strukturen zu hinterfragen, sie zu verändern und der Forderung nach Transparenz nachzukommen. Auch in der Gesellschaft findet aufgrund des Projektes ein Umdenken statt.

Was zeigt dieses Beispiel? Allein der Versuch, ein Produkt problemstofffrei zu designen und zu produzieren kann selbst für kleine Unternehmen höchst erfolgreich sein, auch wenn es nicht (auf Anhieb) gelingt. Bei FairPhone war die Einbeziehung der Öffentlichkeit in die Finanzierung und in die gesamte „Story“ ein maßgeblicher Treiber. Die Geschichte „David gegen Goliath“ wurde gespannt verfolgt. Es wurde gefragt: wenn ein kleines Projekt so etwas schaffen kann, was können dann erst die Konzerne bewegen? Und der Druck der Konsumenten auf die Konzerne wächst.

In diesem Beispiel ist daher nicht die Problemstofffreiheit eines Produktes an sich der entscheidende Faktor, sondern die Aufmerksamkeit auf ein Produkt mit einem Problemstoff zu lenken und dadurch ein System in Frage zu stellen.

Abbildung 1: FairPhone (Quelle: www.fairphone.com)
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