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C2.1

4 Intensivierung der Nutzung durch Jeanshosen-Leasing

Die Firma Mud Jeans setzt auf ein anderes im Textilbereich noch recht wenig verbreitetes Konzept. Bei Mud Jeans kann man Kleidung leasen.

Das Konzept ist dabei das Folgende: Die Kleidungsstücke werden qualitativ hochwertig – was in der Regel allerdings auch bedeutet: teurer – hergestellt. Die Arbeitsbedingungen sind fair, die Textilien umweltfreundlich (z.B. Biobaumwolle) und die Verarbeitungsqualität von Nähten u. ä. hoch. Die Kleidung kann vom Konsumenten für eine entsprechende Leasingrate für ein Jahr genutzt werden (Ausbesserungen sind dabei inklusive). Wie beim Autoleasing kann der Konsument das Kleidungsstück nach einem Jahr behalten (kaufen), umtauschen (weitere Leasingrate) oder zurückgeben (keine weiteren Kosten). In allen Fällen – über ein entsprechendes Rücknahme-Angebot auch am Ende der Nutzung im ersten Fall – landet das Kleidungsstück wieder beim Hersteller. Von dort geht es ggf. nach kleineren Reparaturen und/oder Designanpassungen so lange zurück in den Nutzungskreislauf, bis es nicht mehr marktfähig ist.

Danach wird das Kleidungsstück geschreddert, so dass die Fasern wieder verwendet werden können. Die recycelten Fasern werden mit frischen Fasern gemischt und erneut zu neuen Kleidungsstücken verarbeitet. Aktuell wird eine Recyclingfaserquote von 45% erreicht.

Abbildung 3: Lease a Jeans – mit diesem Konzept zu weniger Umweltlasten in der Textilindustrie
(nach de.mudjeans.eu)

Der skizzierte materielle Produkt-Stoffstrom wird bei Mud Jeans in ein entsprechendes Marketingkonzept integriert. Es basiert u.a. auf den Lebensgeschichten der Leasing Jeans-Jeans. So manche dieser Geschichten wird werbewirksam aufbereitet und ist dann abenteuerlich nachzulesen.

Aus fachlicher Perspektive ist es sicherlich fraglich, ob eine Jeans, die so intensiv getragen wird und Weltreisen, Bergbesteigungen und Trekkingtouren hinter sich hat, länger hält als die gekaufte Jeans im Schrank. In diesem Beispiel geht es jedoch, wie in der Einleitung schon angedeutet, nicht um die tatsächliche Lebensdauer, sondern um die Intensität der Nutzung, mit der die „ökologische Amortisationsrate“ verbessert wird. Und auch dort übertrifft eine Mud Jeans in der Nutzungsintensität möglicherweise nicht die der Lieblingsjeans, die von der Wäsche direkt an die Beine und wieder in die Wäsche kommt. Aber sie übertrifft vermutlich die Nutzungsintensität von etwa 80 - 90% des restlichen Schrankinhaltes.

In Deutschland fallen laut Recherchen von Mud Jeans 400.000 bis 800.000 Tonnen Altkleider an. Dabei ist das Problem häufig nicht, dass die Kleidung kaputt wäre. Sie ist oft einfach der Mode entwachsen und wird nicht mehr genutzt. Das skizzierte Leasing-Konzept trägt damit in einem sehr mengen- und umweltrelevanten Produktbereich zur Verbesserung der ökologischen Amortisation bei. Bei einem entsprechendem Marktvolumen könnten durch solche Konzepte im Textilbereich wirklich bedeutsame Umweltlasten eingespart werden. 

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