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C1.1

4 Übungsbeispiel Stühle

Der Stuhl ist ein im Design-Studium gerne verwendeter Klassiker. In didaktischer Hinsicht eignet er sich jedoch nur schlecht als einfaches Beispiel für einen ökologischen Produktvergleich. Es müssen hinsichtlich Lebensdauer und Vergleichbarkeit („Sitzzweck“) sehr viele Annahmen getroffen und durch Recherchen begründet werden. Ein Bürostuhl sollte nicht mit einem Sessel oder einem Esstischstuhl verglichen werden. Es wäre ein wenig unfair, auf Materialebene einen kuschligen, üppigen Ohrensessel mit einem puristischen Esszimmerstuhl aus Holz zu vergleichen – gleichgültig, ob die Lebensdauer in Jahren oder in „Sitzstunden“ berechnet würde.

Bei einem Stuhl tragen jedoch nicht nur die verwendeten Materialien, sondern vor allem auch die Produktionsverfahren (Energieeinsatz, Schadstoffe, Materialbezug, etc.), unterschiedliche Abfälle und Abfallmengen bei der Produktion sowie Entsorgungswege zur Umweltwirkung bei. Es ist z. B. aufwändig, die einzelnen Gelenke, Gewinde, Feder und Schräubchen für einen hochwertigen Bürostuhl anzufertigen. Allerdings gibt es hierfür weder einfach zugängliche Informationen noch ausreichend Datensätze im Ecolizer, so dass dieser Aufwand nur schwer berücksichtigt werden kann.

Dennoch kann auch „der Stuhl“ als Lernbeispiel dienen. In Abbildung 12 sind drei Stühle abgebildet, die alle demselben Sitzzweck dienen könnten: alle drei Stühle sind geeignet, um einen Esstisch gruppiert als angemessen bequeme und – je nach Geschmack des Besitzers – optisch ansprechende und langlebige Sitzgelegenheit zu dienen. Auch die Aufwendungen der Herstellung können sich recherchieren oder durch Annahmen recht gut festlegen lassen.

Abbildung 12: Drei verschiedene Stühle mit verschiedenen Materialien und Materialmengen
Quellen: 1. www.moebel-karmann.de, 2. www.archiexpo.de, 4. www.mobilibo.com (Abbildung der Stühle nur beispielhaft).

Versuchen Sie nun, auf diesen Hinweisen aufbauend eine eigene Berechnung für diese drei Stühle durchzuführen. Lösen Sie sich dafür von den obigen Beispielen und erstellen Sie ein „Gerüst“ nach Ihren eigenen Überlegungen, welches sie nach und nach mit Informationen füllen. Auf diese Weise bekommen Sie am schnellsten Sicherheit im Umgang mit ökologischer Bilanzierung.

Bevor Sie Annahmen treffen, bemühen Sie sich grundsätzlich immer um Fakten oder Hinweise, die Sie vom Hersteller erhalten. Im Weiteren kommt es auf Ihren Zweck der Übung an: Sofern es um die Übung zur Anwendung mit dem Ecolizer geht, „erfinden“ Sie ruhig Annahmen über Lebensdauer, Transportstrecken oder Verschnittmengen, etc. Sofern es um die Übung einer Szenarienerstellung geht, recherchieren Sie bestmöglich – sowohl zu den Produkten, den Umständen der Herstellung und zu den einsetzbaren Datensätzen.

1. Nehmen Sie es mit Gelassenheit, wenn Sie Ihre Berechnungen wieder und wieder erneuern müssen, weil Ihnen neue Aspekte einfallen, die Sie bisher nicht berücksichtigt haben. Das ist normal.

2. Erstellen Sie Ihre Berechnungen parallel in Excel. Dadurch gehen zwischenzeitliche und nachträgliche Änderungen leichter von der Hand.

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