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C1.1

Rührschüsseln und Aktenschränke

Nachrechenbare Beispiele

1 Einleitung

In diesem Themenpapier wird die ökologische Bilanzierung von Produkten anhand einiger Beispiele dargestellt. Diese Beispiele sollen dabei verschiedene Aufgaben erfüllen:

  1. Die Beispiele sollen nachvollziehbar und/oder nachrechenbar sein. Daher werden für die Beispiele Instrumente eingesetzt, die sowohl für Produktdesigner als auch Designstudenten möglichst einfach zugänglich sind.
    Die Wahl ist daher zum einen auf den Ecolizer (s. Themenpapier B2.3 Analyse- und Bewertungsinstrumente) gefallen, der kostenfrei als PDF-file downloadbar1 ist oder kostengünstig2 bezogen werden kann. Außerdem werden, sofern möglich, die Beispiele mit dem Sustainability-Tool der CAD-Software SolidWorks berechnet, das in der „Studentenversion“ bereits an einigen Hochschulen zur Verfügung steht und auch in der Praxis bei Produktdesignern genutzt wird.
  2. Anhand der Beispiele soll die Methodik der ökologischen Bilanzierung von Materialien und Produkten verdeutlicht werden. Was in verschiedenen Themenpapieren im Themenblock B2 Umweltbezogene Analyse- und Bewertungsmethoden (Ökobilanzierung, Datenbanken, etc.) theoretisch vermittelt wurde, soll hier didaktisch aufbereitet greifbar werden. Es wird jedoch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich bei den hier dargestellten Beispielen um „Vorgehensskizzen“ handelt, wie die Bilanzierung des Lebensweges eines Produktes angegangen werden kann. Beim Nachvollziehen der Rechenwege der aufgeführten Beispiele können im Einzelfall durchaus andere Entscheidungen bezüglich der Annahmen oder Datensätze getroffen werden als von den Autoren vorgeschlagen. Es ist jedoch immer darauf zu achten, dass Annahmen gut begründet werden.
  3. Die Beispiele sollen das Augenmerk auf bestimmte Faktoren lenken, die (zum Teil entscheidenden) Einfluss auf das Ergebnis haben können. Dabei kann es sich einerseits um Parameter handeln, die dem Produkt selbst innewohnen, wie Lebensdauer oder Materialauswahl. Hier kann der Produktdesigner über eine Veränderung der Parameter Einfluss auf die tatsächlichen Umweltauswirkungen des Produktes nehmen. Andererseits kann es sich aber auch um bilanztheoretische Parameter handeln, wie Annahmen zur Verwertung von Abfällen, Aufwendungen für Herstellungsprozesse oder Allokation (Zurechnung) von Umweltwirkungen etc. Sind diese Annahmen nachweislich entscheidend für das Ergebnis, muss der Bilanzierer sich zunächst um eine detailliertere Bilanzierung bemühen, damit pauschale Annahmen nicht zu möglicherweise falschen Ergebnissen und damit ungünstigen oder gar falschen Entscheidungen bezüglich des Produktdesign führen.

In didaktischer Hinsicht ist es besonders reizvoll, bei der ökologischen Betrachtung gleichartige Produkte oder Materialien zu vergleichen und auf diese Weise ihre unterschiedlichen Umweltauswirkungen als Lernerfahrung zu diskutieren. Dafür müssen gleichartige Produkte gefunden werden, deren Materialien oder Lebensdauer einfach austauschbar sind, während einerseits die Vergleichbarkeit der Funktion beibehalten wird und gleichzeitig auch das Design ähnlich bleibt. Mit den Beispielen „Rührschüssel“ und „Aktenschrank“ wurde versucht, diesen Ansprüchen gerecht zu werden. Auch bei der eigenständigen Berechnung des letzten Beispiels, der Bilanzierung von Stühlen, ist auf diese Parameter zu achten.

Die hier dargestellten Beispiele dürfen weder als Ökobilanzen missverstanden werden noch als realistische Abbildung der Umweltwirkungen dieser Produkte. Dafür sind die Datenlücken zu groß und es sind in zu großem Umfang pauschale Annahmen getroffen worden.

Alle hier gemachten Angaben zu den Produkten sind erfunden, jedoch bezüglich Masseangaben oder Energieaufwendungen bestmöglich an die Realität angelehnt. Die Annahmen wurden auf der Grundlage getroffen, dass dafür Datensätze im Ecolizer oder SolidWorks zur Verfügung stehen – diese Annahmen müssen jedoch nicht zwingend mit der Realität, z. B. mit tatsächlich verwendeten Verfahren oder für diesen Zweck einsetzbaren Materialien, übereinstimmen. In den meisten Fällen wurde stark vereinfacht.

Vor dem Nachvollziehen dieser Beispiele wird empfohlen, die Erläuterungen in den Themenpapieren B2.3 Analyse- und Bewertungsinstrumente sowie B2.4 Datenbanken durchzuarbeiten. Ohne diese Hintergründe fällt das Verständnis zur Auswahl der Datensätze aus dem Ecolizer oder SolidWorks und die Bewertung der Ergebnisse unnötig schwer. Hilfreich ist außerdem ein grundsätzliches Verständnis zur ökologischen Bilanzierung (s. Themenpapier B2.1 Die Ökobilanz).

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