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B2.3

3 Onlinetools

Seit einiger Zeit gibt es immer mehr (zum Teil kostenfreie) webbasierte Lösungen, um es Produktdesignern zu ermöglichen, den Ecodesign-Gedanken in den täglichen Arbeitsfluss zu integrieren. Einige werden im Folgenden vorgestellt und ihre Anwendung und Anwendbarkeit in Kürze erläutert.

3.1 Greenfly

Auf der englischsprachigen Webseite http://www.greenflyonline.org wird ein Ecodesign-Tool zur Verfügung gestellt, welches sowohl eine ökologische Analyse der eingesetzten Materialien und Verfahren erlaubt als auch bei jedem Bearbeitungsschritt Hinweise zu gutem Ecodesign gibt bzw. ökologische Verbesserungsmöglichkeiten abfragt. Allerdings ist keine Kombination mit CAD-Komponenten möglich.

Greenfly weist bei der Auswahl des Materials (z. B. Edelstahl) darauf hin, welche ökologischen Vor- und Nachteile dieses Material hat. Es gibt den konkreten Hinweis, wie die Umweltwirkung dieses Materials verbessert werden kann, im Falle von Edelstahl durch die Auswahl von Sekundärmaterial.

Der Anwender wird außerdem aufgefordert zusammenzufassen, durch welche Maßnahmen er in diesem Projekt z. B. die Anforderung an die Materialeffizienz umgesetzt hat. Die Abfrage nach der Umsetzung der einzelnen Ecodesign-Prinzipien erfolgt sehr strukturiert und die Kommentare des Anwenders werden neben den Produkt- und Umweltdaten direkt in den späteren, automatisch erstellten Bericht übernommen.

Die Webseite erlaubt eine detaillierte Erfassung der Produktkomponenten sowie der Distributions- und Entsorgungswege. Die Umweltwirkungen werden nach Komponenten und Herstellungsphasen sehr übersichtlich gesondert ausgewiesen. Sowohl graphisch als auch tabellarisch werden Global Warming (Klimawirkung), Water Use (Wasserverbrauch), Energy Demand (Energiebedarf) und Solid Waste (Feste Abfälle) ausgewertet. Die übersichtliche Auswertung darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Analyse nicht umfassend ist. Zum Beispiel sagt die Menge Feststoff als Abfall nichts über dessen Giftigkeit aus. Auch der Wasserverbrauch als Menge ist noch nicht hinreichend aussagekräftig (s. Kap.3 Water Footprint im Themenpapier B2.2 Eindimensionale Methoden). Dennoch bietet diese Analyse einen guten ersten Überblick beim Vergleich von Produktkomponenten. Allerdings sollte bei einer auf solchen Analysen basierenden Entscheidung stets darauf geachtet werden, dass die Differenzen der ermittelten Werte signifikant sind. Unterschiede im einstelligen Prozentbereich sollten stets durch weitere Fakten verifiziert werden.

Alle Komponenteninformationen, Umweltdaten und Kommentare zur Umsetzung der Ecodesign-Prinzipien werden anschließend automatisch in einen übersichtlichen Bericht integriert.

Abbildung 6: Screenshots der Seite www.greenflyonline.org
Linkes Bild: Erläuterung grundsätzlicher Maßnahmen zur Verbesserung der Umweltwirkung bei der Verarbeitung von Holzprodukten, Abfrage ob diese Maßnahmen eingehalten wurden und Möglichkeit zur Stellungnahme des Designers. Rechtes Bild: Darstellung von Umweltwirkungen nach Auswahl der Herstellungskomponenten.

Greenfly ist von einem Zusammenschluss australischer Forschungsinstitute initiiert. Leider ist von außen nicht nachvollziehbar, welche Daten den Berechnungen zugrunde liegen oder mit welchen Methoden diese ausgewertet werden. Dies verringert die Eignung für kommunizierbare Ergebnisse. Sofern die Daten jedoch in sich konsistent sind, wovon mit Blick auf die Projektinitiatoren ausgegangen werden kann, ist auch eine Analyse auf einer unbekannten Datenbasis durchaus sinnvoll. Allerdings sollte die Auswertung bzw. der Vergleich lediglich für die interne Dokumentation vorgenommen werden. Dies gilt unter anderem auch unter der Annahme, dass die zugrundeliegenden Daten z. B. zu Herstellung oder Entsorgung vor allem auf australischen, ggf. auch auf US-amerikanischen, Datensätzen und dortigen Verhältnissen basieren. Beispielsweise ist der Umgang mit Abfällen ein anderer als in Deutschland bzw. Europa, was die Auswertung der Kennzahl Feste Abfälle erklärbar macht. Ein Abfallsystem mit sortenreiner Trennung, Müllverbrennungsanlagen oder Ersatzbrennstoffkraftwerken, wie sie besonders in Deutschland und auch Europa eingesetzt werden, sind dort weniger bekannt (vgl. Themenpapier B2 Verwertung und Beseitigung).

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass sich die ermittelten Umweltwerte nicht eignen, um als Absolutwerte verwendet oder nach außen kommuniziert zu werden. Wenn die Unterschiede in den Produktalternativen ausreichend groß sind, geben sie einen ersten groben Überblick über die ‚Rangfolge‘ der Alternativen. Hervorzuheben ist die wirklich gelungene Integration der Ecodesign-Prinzipien während des Kompositionsprozesses sowie die dazugehörigen Erläuterungen. Hier sind sehr gute Hinweise für den Designer enthalten, die in sinnvoller Weise während des Entscheidungsprozesses vom Online-Tool interaktiv eingebracht werden.

Die interaktive Berichtsfunktion ist ebenfalls hervorragend. Da die Anwendung im europäischen Raum nur für den internen Gebrauch empfohlen wird und außerdem (nur) in englischer Sprache zur Verfügung steht, ist sie möglicherweise in der Praxis nicht umfassend nutzbar. Dennoch ist hier eine hervorragende Umsetzung eines Ecodesign-Tools gelungen.

3.2 Ecodesign-Pilot

Der Ecodesign-Pilot der TU Wien (Vienna TU, Institute for Engineering Design) bietet Unterstützung bei der Gestaltung von Produkten nach Ecodesign-Prinzipien und ist unter www.ecodesign.at zu finden. Der Schwerpunkt liegt dabei nicht auf der Analyse der quantitativen Umweltwirkungen, sondern auf den grundsätzlichen Prinzipien und Verbesserungsmöglichkeiten bei der Produktgestaltung. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die guten Hilfestellungen abzurufen: Eine davon ist die Eingabe der Produktkomponenten über den „Ecodesign-Pilot Assistenten“. Dabei werden verschiedene Informationen zu den gewählten Materialien und Herstellungsarten abgefragt, neben Art und Menge beispielsweise der Energiebedarf bei der Herstellung oder der wahrscheinliche Entsorgungsweg des Materials. Gleichzeitig werden Ratschläge zur Verbesserung der ökologischen Performance des geplanten Produktes zurückgespiegelt.

Der Ecodesign-Pilot ist ein gutes Instrument zur konkreten Auseinandersetzung mit Verbesserungspotenzial beim Designprozess, vor allem im Hinblick auf Materialauswahl und Entsorgungswege. Allerdings sollte beim Anwender für den zielführenden Einsatz ein gutes Grundwissen zu den Hintergründen vorhanden sein. Andernfalls mag die Anwendung etwas sperrig erscheinen. Für einen direkten Vergleich zwischen Produktvarianten ist dieses Instrument eher ungeeignet.

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