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B2.3

4 Ecolizer

Der Ecolizer könnte im Gegenzug zu Software- oder Onlinetools durchaus als „Hosentascheninstrument“ bezeichnet werden. Klein genug, um auf jedem Schreibtisch ein permanentes Plätzchen zu finden, kann der Produktdesigner mit den dort zur Verfügung gestellten Informationen von Materialien, Herstellungsprozessen, Energiebereitstellung oder Dienstleistungen jederzeit eine schnelle Abschätzung der Umweltwirkungen eines untersuchten Materials oder Produktes durchführen. Das OVAM (Public Waste Agency of Flanders) hat den Ecolizer auch genau zu diesem Zweck geschaffen – als Hilfsmittel für Produktdesigner zur Unterstützung des Eco-Design Gedankens. Der Ecolizer, eigentlich ein griffiger Fächer aus festen Kartonseiten, kann außerdem kostenfrei als PDF heruntergeladen werden (http://www.ecodesignlink.be/en/ecodesign-tools-1/ecolizer-1). Der handliche Ecolizer selbst kann ebenfalls unter dieser genannten Webadresse kostenpflichtig bestellt werden.

Abbildung 7: Der Ecolizer
Quelle: www.ecodesignlink.be

Der aktuelle Ecolizer 2.0 basiert auf der ecoinvent©-Datenbank (s. Themenpapier B2.4 Datenbanken), die Ergebnisse der Umweltwirkungen wurden mit der Ökobilanzsoftware SimaPro© errechnet.

Die Umweltwirkungen werden in Eco-Indikator-Punkten gemessen – je höher der Wert, desto schlechter die Umweltwirkung. Bei der Zusammenfassung der Umweltauswirkungen in einem einzelnen Wert werden die verschiedenen Umweltauswirkungen (Auswirkungen auf die unterschiedlichen Umweltkompartimente) gewichtet aggregiert. Ein Eco-Indikator-Punkt entspricht einem Tausendstel der gesamten jährlichen Umweltlasten, die durch einen durchschnittlichen Europäer verursacht werden. Die Umweltlasten der Materialien und deren Prozesse werden im Ecolizer in millipoints (mPt) angegeben, entsprechen also einem Millionstel dieser durchschnittlichen Umweltlast pro Europäer.

Umweltwirkungen werden z. B. für Herstellung und Fertigungsprozesse, Recycling und Abfallentsorgung angegeben. In der Einleitung des Ecolizer wird jedoch nachdrücklich darauf hingewiesen, dass der Ecolizer nur für interne Materialvergleiche geeignet ist und darüber hinaus keinen weiteren „praktischen Nutzen“ darstellt. Er eignet sich also nicht, um nach außen kommunizierbare Umweltwerte zu ermitteln. Weiterhin wird in der Einleitung die relativ hohe Datenunsicherheit angesprochen. Für die Datenqualität gibt es zwei Stufen: schwarze Zahlenwerte und ausgegraute Zahlenwerte, wobei die grauen Zahlenwerte eine höhere Unsicherheit aufweisen (vgl. auch Abbildung 8).

Abbildung 8: Beispiele aus dem Ecolizer 2.0 zusammengestellt, für Edelstahl, PE, Glas und Strom

In der kurzen, aber dennoch umfassenden (englischen) Einführung zum Ecolizer wird sehr verständlich die Anwendung des Ecolizers sowie Hintergründe zu Daten und Aussagekraft erläutert. Daher kann der Ecolizer nach der Lektüre der Einführung ohne weitere Vorkenntnisse unterstützend angewendet werden. Dennoch können die Themenpapiere B2.4 Datenbanken und B2.1 Die Ökobilanz zum noch besseren Verständnis der Ergebniswerte und der Anwendbarkeit des Ecolizers beitragen.

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