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B2.2

2 Product Carbon Footprint (PCF)

Der Product Carbon Footprint (PCF) ist ein Indikator, der die anthropogen verursachten Treibhausgasemissionen eines Produktes über dessen gesamten Lebensweg aufsummiert und dadurch die Klimawirkung dieses Produktes quantifiziert. Zu den Treibhausgasen zählen u. a. Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4), Lachgas (N2O) sowie Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) oder Schwefelhexaflourid (SF6) (s. Themenpapier A1.1 Klimawandel). Die einzelnen Treibhausgase entfalten in der Atmosphäre unterschiedliche Schadwirkung. Zur Vereinfachung werden daher die Effekte der Gase in der Atmosphäre bezüglich der Klimawirkung auf die Bezugsgröße Kohlendioxid umgerechnet und in CO2-Äquivalenten ausgedrückt.2

Eine Tonne Methan hat im Zeitraum von 100 Jahren die Umweltauswirkung von rund 25 Tonnen Kohlendioxid. Die Wirkungen werden für die Wirkungskategorie addiert: Eine Tonne Kohlendioxid plus eine Tonne Methan entfalten zusammen die Umweltauswirkung von 26 Tonnen CO2-Äquivalenten.

Der PCF drückt die Wirkung eines Produktes in der Wirkungskategorie Klimawandel aus. Da der Klimawandel zweifellos eines der drängendsten Umweltprobleme unserer Zeit ist (s. Themenpapier A1.1 Klimawandel), ist die (unternehmensinterne) Transparenz über die Emission produktbezogener Treibhausgase eine wertvolle Information. Durch die Reduzierung auf diese Wirkungskategorie kann jedoch die Verschiebung der Problematik in einen anderen Umweltwirkungs­bereich nicht überblickt werden. So könnte beispielsweise eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen durch eine erhöhte euthrophierende Wirkung „erkauft“ werden. Daher liegt der Nutzen des PCF weniger im ermittelten Ergebnis selbst (kg CO2-Äq. pro Produkt), sondern in der Erfassung und Sichtbarmachung der Einzelbeiträge über den Lebensweg des Produktes. Im Themenpapier A1.1 Klimawandel wurden die anthropogenen Quellen der Treibhausgasemissionen bereits erläutert: Ursache sind vor allem Verbrennung fossiler Rohstoffe (Energiegewinnung, Transport etc.), Intensivland- und -forstwirtschaft (Übernutzung von Böden, Massentierhaltung, Abholzung) sowie mikrobielle Prozesse unter sauerstoffarmen Bedingungen (Mülldeponien etc.).

Es ist davon auszugehen, dass bei einem Großteil der industriell gefertigten Produkte der Energieeinsatz den größten Anteil am Endergebnis haben dürfte, vermutlich gefolgt von Transporten. In diesem Fall hilft ein PCF, Einsparpotenziale aufzudecken. Die Treibhausemissionen können jedoch auch an anderer Stelle verursacht werden, was durch die Berechnung eines PCF offensichtlich würde.

Der PCF kann Unternehmen also dabei unterstützen, klimaverträglicher zu produzieren.

Gleichzeitig jedoch sehen sich die Nutzer und Verfechter des PCF einer intensiv geführten Debatte gegenüber: Mit Hilfe des Indikators PCF können positive oder negative Abweichungen durch Reduktionsmaßnahmen bezogen auf die Klimawirkung eines Produktes kenntlich gemacht werden – nicht ersichtlich werden jedoch Verlagerungen in andere Umweltbereiche.

Durch die verbesserte Reinigungskraft moderner Waschmittel kann Wäsche bei reduzierter Temperatur gewaschen werden. Dadurch wird Energie gespart, was sich eindeutig in einer Verbesserung des PCF niederschlägt. Eine Hochrechnung der Einsparung an Treibhausgasen bezogen auf alle Haushalte in Deutschland in einem Jahr kann diesen positiven Effekt nur bestätigen.

Nicht berücksichtigt wird dabei der Effekt auf andere Umweltbereiche, wie Ressourcen. Bezogen auf den Verbrauch fossiler Energien kann (auch ohne konkrete Berechnung) davon ausgegangen werden, dass auch hier eine Einsparung und damit ein positiver Effekt eintritt.

Unklar ist jedoch bei ausschließlicher Betrachtung des PCF die Auswirkung z. B. auf Gewässer oder Lebewesen. Werden im Waschmittel bestimmte Chemikalien nun einfach in einer höheren Konzentration verwendet? Wurden zunächst harmlose Inhaltsstoffe unerkannt durch gefährliche Stoffe ersetzt? 

Auch wenn die Bekämpfung des Klimawandels eine wichtige Aufgabe ist, darf sie doch nicht auf Kosten anderer Ressourcen geführt werden. Die Nichtberücksichtigung der Verlagerung in andere Umweltwirkungsbereiche ist daher ein ernstzunehmender Einwand gegen die ausschließliche Betrachtung des PCF. Dies ist insbesondere zu berücksichtigen, wenn unterschiedliche Systeme miteinander verglichen werden sollen.

Bei der Frage, ob HDPE oder LLDPE der aus Umweltsicht zu bevorzugende Kunststoff ist, kann der PCF durchaus als Leitindikator dienen. Sowohl die Rohstoffe als auch die Herstellungsverfahren beider Materialien sind in den wesentlichen Faktoren weitestgehend identisch. Unterschiede entstehen vor allem in der benötigten Energiemenge und vernachlässigbaren Differenzen in den Zusatzstoffen.

Bei der Abwägung zwischen Glas, Metall oder Kunststoff als Werkstoff werden völlig unterschiedliche Systeme verglichen. Rohstoff, Rohstoffgewinnung, Verarbeitung, Zusatzstoffe, Entsorgung etc. sind so unterschiedlich, dass es fährlässig wäre, die Frage des bevorzugten Werkstoffes ausschließlich an dessen Klimawirkung festzumachen.

Häufig kann bei einem Produkt vorhergesehen werden, ob der Product Carbon Footprint als sogenannter Leitindikator gelten kann oder nicht. Das bedeutet, dass sich andere Wirkungskategorien gleich dem PCF ebenfalls positiv oder negativ verändern. Kann es nicht gleich zu Beginn abgeschätzt werden, kann ggf. eine Screening LCA (s. Themenpapier B2.1 Die Ökobilanz) Aufschluss darüber geben.

Insgesamt gilt: der PCF ist ein wertvolles Instrument zur Ermittlung der Klimawirkung – Achtung: nicht Umweltwirkung! – eines Produktes. Aussagekräftig und Basis für Handlungsempfehlungen sind vor allem die Analyseergebnisse der Einzelbeiträge im Verlauf des Produktlebenszyklus. Wirklich interessant ist das Endergebnis des PCF erst im Vergleich.

2 Zur Methodik s. Themenpapier A2 Ökobilanz.

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