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B2.1

Die Ökobilanz

Methode und Wirkungskategorien

1 Einleitung

Für die Ermittlung von Umweltauswirkungen von Produkten und Materialien kann unter anderem die Ökobilanz (engl. Life Cycle Assessment – LCA) herangezogen werden. Dabei handelt es sich um ein Analyseinstrument, das die Umweltauswirkungen von Produkten oder Materialien über deren gesamten Lebensweg – „von der Wiege bis zur Bahre“ bzw. „cradle to grave“ – ermittelt und abbildet.

Die Ökobilanz, die dafür mit entsprechender Sorgfalt durchgeführt werden muss, kann durchaus als eines der präzisesten Analyseinstrumente für die Ermittlung von Umweltauswirkungen von Produkten und Materialien bezeichnet werden – dennoch bildet sie nicht die „ökologische Wahrheit ab“.

Dies führt häufig zu Missverständnissen: Die Ergebnisse der Analyse werden in Wirkungskategorien dargestellt (dazu ausführlich weiter unten im Text). Bei diesen Wirkungskategorien handelt es sich dem Klang nach teilweise um scheinbar leicht nachvollziehbare Kategorien wie „Klimawandel“ (Global Warming Potential – GWP), „Ozonbildungspotenzial“ (Ozone Depletion Potential – ODP) oder „Flächenverbrauch“. Die Ergebnisse stellen sich in der Regel verführerisch klar und präzise dar (vgl. Abbildung 1).

Abbildung 1: Graphische Darstellung verschiedener Umweltauswirkungen eines fiktiven Produktes
(GWP = Klimawandel / Global Warming Potential, ODP = Ozonabbaupotential / Ozone Depletion Potential, AP = Versauerungspotential / Acidification Potential, EP = Überdüngungspotential / Eutrophication Potential, POCP = Ozonbildungspotential / Photochemical Ozone Creation Potential)
Quelle: Eigene Darstellung

Aufgrund dieser vermeintlich leicht verständlichen Ergebnisse der Wirkungsabschätzungen von Produktsystemen entsteht schnell der Eindruck, Ökobilanzergebnisse in Form von Wirkungskategorien würden eine exakte (ökologische) Wirklichkeit abbilden. Dieser Eindruck wird dadurch verstärkt, dass Umweltauswirkungen von Produktsystemen scheinbar einfach mit entsprechender Software und verfügbaren Datenbanken zu ermitteln sind. Das ist jedoch nicht der Fall.
Dieses Themenpapier soll daher durch die Besonderheiten der Ökobilanz leiten, um ein besseres Verständnis für deren Methode und Ergebnisse zu erlangen. Der Leser wird mit der Systematik der Ökobilanzierung vertraut gemacht sowie mit den Besonderheiten der Datenauswertung und Ergebnisinterpretation. Ausgewählte Wirkungskategorien werden vertieft erläutert, um so ein Verständnis für die Zusammenhänge der Ergebnisauswertung von Ökobilanzen zu schaffen.

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