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B2.1

3 Die Aussagekraft von Ökobilanzen

Die Ökobilanz wird erstellt, um die Umweltauswirkung eines Produktes über dessen Lebensweg hinweg zu modellieren. Aufgrund der Komplexität eines solchen Lebensweges liegt es in der Natur der Sache, dass häufig Annahmen getroffen und Durchschnittswerte herangezogen werden müssen.

Dazu kommen methodische Unsicherheiten. Viele Zusammenhänge bei den Wirkungskategorien sind noch unbekannt, insbesondere in den Bereichen der toxizitätsbezogenen Wirkungskategorien. Die Berechnung von Indikatoren und die modellierte Wirkung basieren auf zum Teil starken Vereinfachungen. Die Ergebnisse einer Ökobilanz können daher nie die Wirklichkeit abbilden und sind darüber hinaus immer im Zusammenhang mit den formulierten Zielen und dem Untersuchungsrahmen zu sehen.

Ergebnisse sind daher keinesfalls absolut zu sehen und es müssen immer gewisse Standardabweichungen berücksichtigt werden. Wie groß diese Standardabweichungen sind, hängt vom konkret modellierten System ab (wie „gut“ sind die verwendeten generischen Datensätze, wie sicher konnten Annahmen getroffen werden, welche primären Daten standen zur Verfügung, etc.). Unterschiede zwischen den Ökobilanzergebnissen verglichener Materialien oder Produkte sollten daher immer ausreichend groß sein, bevor Schlussfolgerungen gezogen werden können.

Werden diese Besonderheiten bedacht, haben ökobilanzielle Berechnungen einen unbestreitbaren Wert für eine umweltfreundlichere Produktgestaltung.

Die besondere Stärke der Ökobilanz für den Produktdesigner zu Beginn des Entwurfsprozesses liegt in der Vergleichsmöglichkeit der Materialien, Herstellungsprozesse und Produktsysteme. Die Bilanzierung hilft bei der Abschätzung und dem Vergleich von Umweltauswirkungen bei der Verwendung unterschiedlicher Materialien oder Verfahren. Auch wenn die Ökobilanz keine ökologischen Wahrheiten abbildet, können die Ergebnisse hier hilfreiche Entscheidungsgrundlagen sein. Hierbei ist zu beachten, dass die Verbesserung in einer Wirkungskategorie (z. B. durch den Austausch eines Materials) die Verschlechterung in einer anderen nach sich ziehen kann.

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