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B1.7

Kreislauffähigkeit

1 Konzeptionelle Idee und ihre Grenzen

Werden Materialien nach dem Ende ihrer Nutzung einem Recyclingprozess unterzogen und damit zu wiedereinsetzbaren Sekundärmaterialien aufbereitet, so kann ein großer Teil der Umweltbelastungen, der mit dem Abbau der Rohstoffe und ihrer Verarbeitung einhergeht, vermieden werden.

Dass weggeworfene Produkte einem solchen Recycling zugeführt und damit zu einem Teil der sogenannten Kreislaufwirtschaft werden, ist ein vielfach deklamierter Bestandteil unseres heutigen Wirtschaftsmodells. Diese schöne Bild der Kreislaufführung ist unzweifelhaft von hoher psychologischer Wirkung, entlastet es doch den Konsumenten von einem schlechten (Umwelt-)Gewissen, denn aus „alt“ wird ja „neu“.

In der Realität weist dieses Bild jedoch eine Vielzahl von Verzerrungen und blinden Flecken auf.

So ist eine Kreislaufführung ohne substantiellen Einsatz zusätzlicher Umweltressourcen, in Form von Energie und oder Prozesshilfsstoffen, schon prinzipiell nicht möglich.

Daneben ist es in Hinblick auf die möglichen umweltentlastenden Effekte derartiger Kreislaufführungen das Niveau entscheidend, auf das die Altproduktteile und ‑materialien wieder in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführt werden. So macht es aus ökologischer Sicht einen signifikanten Unterschied, ob z. B. die metallischen Bestandteile eines Gerätes als Schrott eingeschmolzen und so dem Sekundärstahl zugeführt werden oder ob ganze funktionale Baugruppen (z. B. ein Netzteil) desselben Gerätes eine Wiederverwendung in einem neuen Produkt erfahren.

In der Praxis sind solche Wiederverwendung ganzer Geräte oder auch die Kreislaufführung von Baugruppen u. ä. bislang aber deutliche Ausnahmen, die sich im besten Fall im niedrigen einstelligen Prozentbereich der Gesamtmenge an Altprodukten bewegen.

Verwertung findet derzeit überwiegend auf der Ebene einfacher Grundmaterialien statt und daneben nehmen die direkte thermische Verwertung (Verbrennung unter Nutzung der entstehenden Wäre) sowie die Aufbereitung zu (Sekundär-) Brennstoffen einen breiten Raum ein.

Es gibt also noch „Viel Luft nach oben“ auf dem Weg zu einer echten Kreislaufwirtschaft und hier kann auch das ökologische Produkt-Design im Sinne eines Design-für-Recycling einen Beitrag leisten. Denn in der Art und Weise wie Materialien in einem Produkt verbunden werden, welche Materialien dort zum Einsatz kommen und wie funktionale Baugruppen und/oder besonders hochwertige Materialien entnommen werden können, unterscheiden sich verschiedene Produktgestaltungen durchaus.

Zu beachten ist dabei das Zusammenspiel zwischen solchen konstruktiv anzulegenden Möglichkeiten eines hochwertigen Recyclings und den Wahrscheinlichkeiten, dass dieses Recycling-Potenzial von den etablierten Prozessen in der Entsorgungswirtschaft auch wirklich genutzt wird.

Sowohl die Effekte unterschiedlicher Kreislaufführungen, der Einfluss etablierter Entsorgungsverfahren als auch methodische Möglichkeiten während der Entwurfsphase Abschätzungen zum realen Recycling zu machen, sind Gegenstand dieses Themenpapiers.

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