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B1.3

Materialeffizienz

1 Konzeptionelle Idee und Ihre Grenzen

Wie beim Energieverbrauch gilt auch beim Einsatz von Materialien aus Umweltperspektive zunächst die einfache Näherung „Weniger ist besser!“. Denn naturgemäß sind die mit dem Abbau von Rohstoffen, der Herstellung, dem Transport und der Verarbeitung von Materialien verbundenen Umweltlasten proportional zur benötigten Menge.

Lässt sich der gleiche Produktnutzen mit „Weniger vom Gleichen“ erreichen, so ist dies aus Umweltsicht vorteilhaft. Allerdings ist der Zusatz „vom Gleichen“ hier entscheidend, denn werden Leichtbau oder Miniaturisierung durch den Einsatz komplexer Materialverbunde oder hochveredelter Materialien erreicht, so kann der skizzierte Umweltvorteil durch den ggf. deutlicheren höheren, spezifischen Umweltaufwand solcher Materiallösungen schnell wieder aufgebraucht sein.

Auch zu den Prinzipien der Langlebigkeit und/oder der Reparierbarkeit können sich Zielwidersprüche ergeben. So gibt es z. B. für Leichtbauteile aus faserverstärkten Kunstoffen, welche heute zunehmend für Fahrzeugkarosserien oder auch Flugzeugrümpfe eingesetzt werden, (bislang) keine Möglichkeiten mechanische Beschädigungen (wie z. B. einfache „Beulen“) zu reparieren. Trennbare und damit reparaturfreundliche Verbindungen von Produktkomponenten erfordern ebenfalls meist mehr Materialeinsatz als das nicht-trennbare Fügen.

Mit Blick auf das hinter dem Ökodesign-Prinzip Materialeffizienz stehende Ziel der Schonung der natürlichen Ressourcen ist zu konstatieren, dass Gleiches vielfach gar nicht Gleiches ist. Die notwendige Flächen-Inanspruchnahme für die Förderung einer Referenzmenge an Rohstoffen kann sich bei unterschiedlichen Förderstandorten deutlich unterscheiden, gleiches gilt für die Auswirkungen auf die Artenvielfalt (Biodiversität) oder die Wasserqualität. Somit wird es also auch wichtig zu wissen, „woher“ die Rohstoffe stammen; eine zusätzliche Herausforderung, die im Design-Prozess selbst allerdings auch nur begrenzt beeinflusst werden kann.

Dies gilt allerdings nicht für den Einsatz von Recyclingmaterialien. Die Nutzung dieser Rohstoffquelle trägt regelmäßig dazu bei die natürlichen Ressourcen zu schonen. Allerdings ist es hier wichtig, dass das Recyclingmaterial vergleichbare konstruktive Eigenschaften aufweist; ein wichtiges Kriterium bei der Umsetzung des Ökodesign-Prinzips Kreislauffähigkeit. Geeignete konstruktive Lösungen können aber helfen, auch Sekundärmaterialien mit etwas schlechteren technischen Eigenschaften wieder zu nutzen.

Insgesamt also ein komplexer Design-Aspekt und häufig zeigt sich: Es kommt darauf an!

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