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B1.1

3 Umwelteffekte bei der Lebensdauerverlängerung Beispiel: Waschmaschinen

Um deutlich zu machen, welche relevanten Umweltentlastungen durch eine Verlängerung der Lebensdauer erreicht werden können und wie sich diese auch orientierend bestimmen lassen, nachfolgend eine Beispielrechnung für Waschmaschinen.

3.1 Basisdaten

2008 wurden in Deutschland Waschmaschinen im Wert von ca. 1,35 Mrd. € verkauft.5 Unter der Annahme, dass eine durchschnittliche Waschmaschine 480 € kostet, wurden in Deutschland im Jahr 2008 somit ca. 2,8 Millionen Waschmaschinen in den Markt gebracht. Der Bestand liegt bei etwa 38 Mio. Waschmaschinen und der Markt ist nahezu gesättigt. Die Lebensdauer von Waschmaschinen beträgt in einem Durchschnittshaushalt etwas mehr als elf Jahre.6

In der nachfolgende Tabelle 1 wird dargestellt, wie hoch die jährlichen Umweltentlastungen wären, wenn bei Waschmaschinen die Lebensdauer nur um 1 Jahr oder aber sogar um 10 Jahre verlängert werden könnte.7

Bei der Analyse der Umweltwirkungen in den Bereichen kumulierter Energieverbrauch (KEA) und Emission von Treibhausgasen (GWP) sind neben dem Aufwand für die Geräteherstellung natürlich auch mögliche Gutschriften aus dem Recycling der jährlich entsorgten Geräte zu berücksichtigen (diese Erlöse sinken natürlich, wenn die Geräte länger halten).

Tabelle 1: Ökologische Einsparpotenziale durch Verlängerung der Lebensdauer von Waschmaschinen8

Anmerkung:    Die Aufführung weitestgehend ungerundeter Daten ist kein Indiz für deren Genauigkeit. Die Daten wurden so aus der Originalquelle übernommen und liegen so den verwendeten Berechnungstools zugrunde.

5 Nach: Zentralverband Elektrotechnik und Elektronikindustrie e.V. & GfK Retail and Technology GmbH (2008): Zahlenspiegel des deutschen Elektro-Hausgerätemarktes 2008, Frankfurt/Nürnberg.

6 Nach: Rüdenauer I., Grießhammer R., Götz K., Birzle-Harder B. (2004): PROSA Waschmaschinen, Öko-Institut, Freiburg.

7 In der Praxis wären mit verfügbaren technischen Maßnahmen Zeiträume zwischen diesen beiden Extremen zu erreichen.

8 Rüdenauer et al. 2004 und Berechnungen des IFEU 2010.

3.2 Austauschteile

Zu berücksichtigen ist auch, dass die verlängerte Lebensdauer möglicherweise durch einen steigenden Bedarf an Reparaturen und den Austausch von Bauteilen erkauft werden muss. Dies können z. B. Steuerungseinheiten oder neue Elektromotoren sein. Vernachlässigt man die mit der Entsorgung der ausge­tauschten Teile verbundenen Umweltwirkungen, so wird die Lebensdauerverlängerung mit dem ökologischen Aufwand der Herstellung dieser Austauschbauteile erkauft.

Setzt man für die Herstellung dieser Austauschteile entsprechende Daten für die Umweltwirkungen ein, so zeigt sich das in der nachfolgenden Tabelle 2 dargestellte Bild:

Tabelle 2: Umweltwirkungen der Herstellung von Austauschteilen zur Lebensdauerverlängerung9

Vergleicht man diesen zusätzlichen (Umwelt-) Aufwand mit den Einsparungen aus der Lebensdauerverlängerung (Tabelle 1) so wird deutlich, dass sich der Austausch der elektronischen Steuerung bereits bei einer Verlängerung der Lebensdauer um 1 Jahr rentiert. Der Austausch des Elektromotors müsste dagegen mit einer deutlich größeren Lebensdauerverlängerung verbunden sein, um sich zu amortisieren.

Insgesamt zeigt bereits ein solches orientierendes Rechenbeispiel deutlich, welches Umweltentlastungspotenzial in der Lebensdauerverlängerung von Produkten und insbesondere technischen Geräten steckt.10

9 Die Berechnungen in Tabelle 2 basieren für die Steuerungseinheit auf SimaPro-Daten, diejenigen für den Elektromotor auf der Ecoinvent-Datenbank. Das Gewicht eines Elektromotors in einer sechs Jahre alten und 67 kg schweren Waschmaschine liegt bei ca. 8,2 kg. Nach: Schäfer T. (2004): Untersuchungen zur Dispersion und ihren Auswirkungen beim Übergang aus der Nutzungsphase in das Recycling, Diss., Aachen.

10 Eine deutlich differenziertere Analyse der Umweltentlastungseffekte durch die Lebensdauerverlängerung von Waschmaschinen wurde 2011 vom JointResearch Center der EU-Kommission durchgeführt. Vgl. hierzu: Ardente, Fulvio; Mathieux, Fabrice (2012): Application of the project’s methods to three product groups. Report no. 2. In: Integration of resource efficiency and waste management criteria in the implementing measures under the Ecodesign Directive / in European product policies. First / second phase. Joint Research Centre (JRC) Technical Reports.

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