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B1.1

Langlebigkeit

1 Konzeptionelle Idee und ihre Grenzen

Das Ökodesign-Prinzip „Langlebigkeit“ basiert auf der einfachen Überlegung, dass die in die Herstellung eines Produktes eingeflossenen (kumulierten) Umweltlasten durch eine längere Nutzungsdauer insgesamt mehr (individuellen/gesellschaftlichen) Nutzen stiften, so dass das Verhältnis dieser Lasten zum erreichten Nutzen günstiger wird. Teilweise wird in diesem Zusammenhang auch von einer verbesserten ökologischen Amortisation gesprochen.

Langlebigkeit kann unterschiedliche Bedeutungen haben: So ist zum Beispiel zu unterscheiden zwischen der technischen Lebensdauer auf der einen und der realen Nutzungsdauer der Produkte auf der anderen Seite. Eine entsprechende technische Lebensdauer ist Voraussetzung für eine längere Produktnutzung; wenn jedoch die Produkte nicht auch tatsächlich länger genutzt werden, realisieren sich die möglichen Umweltnutzen nicht. Die „ökologische Amortisation“ wiederum wird neben der absoluten Nutzungsdauer auch von der Intensität der Nutzung beeinflusst.

Während eine erhöhte technische Lebensdauer als Eigenschaft des Produktes selbst unzweifelhaft Ziel und Ergebnis des Designprozesses sein kann, sind Nutzungsdauer und Nutzungsintensität von sozialen, Mode-, ökonomischen und vielen weiteren Faktoren während der Produktnutzung abhängig. Letztere können von Design und Marketing adressiert, aber meist nur in begrenztem Maß beeinflusst werden.

Die Zielstellungen eines (Öko-)Design für Langlebigkeit lassen sich damit wie folgt zusammenfassen:

  • Design des Produktes in einer Form, die eine hohe Wertschätzung und Bindung des Nutzers erzeugt und damit eine lange Nutzungsdauer unterstützt.
  • Eine konstruktive Auslegung, die sicherstellt, dass alle Komponenten des Produktes eine technische Lebensdauer besitzen, die die Nutzungsdauer übersteigt. Dabei ist zu beachten, dass Produkte in einigen Bereichen nach dem Ende der Nutzung durch den Erstbesitzer einer erneuten Nutzung zugeführt werden können. In derartigen Fällen ist eine voraussichtliche „Gesamt-Nutzungsdauer“ als Basis für die Auslegung der technischen Lebensdauer heranzuziehen. Gleiches gilt auch bei Produkten, die im Rahmen der „sharing economy“ im gleichen Zeitraum deutlich intensiver genutzt werden. Auch dies ist entsprechend zu berücksichtigen.

Eine systematische Planung der technischen Lebensdauer ist durchaus ein sinnvolles Element eines Ökodesign-Prozesses. Sie kann u. a. auch verhindern, dass in einige Komponenten zu viel Umweltressourcen investiert werden, deren „Überqualität“ dann gar nicht genutzt werden kann.

Dies wird an dieser Stelle so explizit betont, da im Zuge der (fach-) öffentlichen Debatten um eine mögliche geplante (vorzeitige) Obsoleszenz insbesondere von (elektro-) technischen Produkten, die Lebensdauerauslegung meist ausschließlich als negativ dargestellt wird.

Die vielfach angeführte Argumentation, dass ein „geplantes“ frühes Ende der technischen Lebensdauer des Gesamtproduktes ökologisch sinnvoll sei, da neue Produkte deutlich (umwelt-) effizienter sind und sich der Austausch deshalb ökologisch rentiert, ist dagegen nur in einzelnen Ausnahmefällen zu belegen.

Nachfolgend wird in diesem Themenpapier insbesondere nochmals die ökologische Sinnhaftigkeit der Lebens-/Nutzungsdauerverlängerung mit konkreten Fakten unterlegt. Die technischen Ansätze für ein langlebiges Design werden dagegen als in der Zielgruppe dieser Lehrmodule bekannt vorausgesetzt.

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