Suche / Infoleiste öffnen

B1.1

2 Grundlagen

2.1 Begrifflichkeiten

Bei der Diskussion um Langlebigkeit, Haltbarkeit und Nutzungsdauer von Produkten werden vielfach leicht abweichende Begrifflichkeiten verwendet. Im Folgenden eine Auswahl entsprechender Definitionen:

  • Langlebigkeit oder Haltbarkeit:
    Die Eigenschaft von Produkten, ihre Funktionen und Leistungsfähigkeit über ihre Lebensdauer beizubehalten.
  • Design für Langlebigkeit:
    Konstruktive Gestaltung unter Berücksichtigung der Langlebigkeit, Reparierbarkeit und Wartungsfreundlichkeit des Produkts sowie von Verbesserungen der umweltrelevanten Eigenschaften neuer Technologien [ISO/TR 14062 2002];
  • Technische Lebensdauer1
    Die technische Lebensdauer stellt den Zeitraum dar, bis zu dem ein Gerät unter technischen Aspekten funktionsfähig ist, d. h. keine verschleiß- oder abnutzungsbedingten bzw. sonstigen Störungen der Funktionsfähigkeit auftreten. Maßnahmen wie Wartung und Instandhaltung tragen zur Erhaltung der technischen Funktionsfähigkeit bei, eine Reparatur bzw. Aufarbeitung kann die Funktionsfähigkeit wieder herstellen.
  • Wirtschaftliche Nutzungsdauer2
    Die wirtschaftliche Nutzungsdauer umfasst den Zeitraum, in der die Nutzer das Produkt im Vergleich zu möglichen Alternativen als die angemessene Lösung zur Erzielung des Nutzens betrachten. Die wirtschaftliche Nutzungsdauer hängt somit von den Präferenzen des jeweiligen Nutzers ab. Sie kann z. B. mit Hilfe von Produktstatistiken oder modellhaften Schätzungen abgeleitet werden.

1 Nach: Entwurf der VDI 2343 Recycling elektrischer und elektronischer Geräte – Blatt: ReUse Entwurfsstand März 2012, S. 34.

2 ebda.

2.2 Nicht-technische Ansatzpunkte der Lebensdauerverlängerung

Neben einer entsprechend sorgfältigen Konstruktion und materialtechnischen Gestaltung der verschiedenen funktionalen Komponenten eines komplexen Produktes können auch weitere Maßnahmen eine Lebensdauer verlängernde Wirkung entfalten. Benannt seien hier u. a.:

  • Möglichkeit einer zerstörungsfreien Demontage wichtiger (Verschleiß-) Teile zum Zweck der Wartung (oder der Reparatur) und/oder Möglichkeit des Ersatzes;
  • Geringer Aufwand für Wartung (Reparatur) einschließlich der Verfügbarkeit von Austauschteilen zu akzeptablen Preisen;
  • Erweiterte Herstellerverantwortung (z. B. durch verlängerte Garantien/ Gewährleistung);3
  • Bereitstellung von Informationen um das Bewusstsein und Kenntnisse der Verbraucher für eine Lebensdauer verlängernde Nutzung zu verbessern und auf ggf. notwendige Prüfungs-/Wartungsintervalle hinzuweisen.

Darüber hinaus spielen (technische) Standards zur Bestimmung der technischen Lebensdauer eine wichtige Rolle. Derartige technische Standards zur Prüfung / Vorhersage der technischen Funktionsfähigkeit existieren allerdings fast ausschließlich im Bereich von Lampen, einigen Bauprodukten sowie für unterschiedliche Möbel. Für elektrotechnische Produkte enthalten Normen, und hier speziell Normen im Kontext der Produktsicherheit, mitunter Vorschriften zur Prüfung der Gebrauchstauglichkeit/Lebensdauer einzelner Komponenten.4

3 „Garantie“ bezeichnet das freiwillige Versprechen des Herstellers, eine unbedingte Schadensersatzleistung zuzusichern, d. h. einen Gegenstand zu ersetzen oder reparieren, wenn er nicht der gemachten Zusicherung der Funktionsfähigkeit über eine festgelegte Zeitdauer entspricht. „Gewährleistung“ definiert eine gesetzlich verpflichtende und zeitlich befristete Nachbesserungsverpflichtung ausschließlich für Mängel, die zum Zeitpunkt des Verkaufs bereits bestanden, einschließlich versteckter Mängel, die erst später bemerkbar werden.

4 So finden sich z.B. in der IEC 60312: 2010+A1:2011 auch konkrete Testanforderungen an Staubsaugermotoren. Dies hat die Aufnahme entsprechender Langlebigkeitsanforderungen in die Europäische Verordnung für das Ökodesign von  Staubsauger erkennbar erleichtert.

Suche schließen