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A2.4

Papiere

1 EINLEITUNG

Papiere, Pappen und Kartonagen werden in vielfältiger Art und Weise zur Gestaltung von Druck-Produkten und / oder für Büromaterialen, für die Herstellung von Verpackungen aber auch zur Fertigung einer Vielzahl weiterer Produkte vom Kinderspielzeug bis zum Möbel u. ä. genutzt.

Vielfach erfolgt die Verwendung von Papier dabei durchaus auch aufgrund umweltbezogener Überlegungen, handelt es sich bei Papieren doch um ein Material auf Basis nachwachsender Rohstoffe und mit einem funktionierenden Recycling.

Doch das „Öko-Image“ sollte nicht über die mit der Papiernutzung einhergehenden Umweltwirkungen hinwegtäuschen. Die internationale Papierindustrie ist nach Aussage der FAO für etwa 40 Prozent des industriellen Holzeinschlags verantwortlich1. Ein sorgsamer Umgang mit Papier bedeutet deshalb direkten Wald- und Klimaschutz. Auch wenn die Waldfläche in Deutschland und Europa zunimmt, muss der Papierkreislauf global betrachtet werden: Denn der Sog durch hohe Nachfrage in einer Region führt zur Verlagerung und Verschärfung der Ressourcenentnahme in anderen Gegenden der Erde.

In Deutschland bieten sich dafür viele Ansatzpunkte, da die Verbrauchsmengen an Papier enorm sind. Im weltweiten Vergleich liegen wir beim absoluten Verbrauch mit rund 20 Millionen Tonnen Papier pro Jahr an vierter Stelle nach China, USA und Japan. Beim rechnerischen Pro-Kopf-Verbrauch mit durchschnittlich fast 250 Kilo pro Jahr nimmt die Bundesrepublik weltweit den dritten Rang ein – nach Luxemburg und Belgien. Unser Nachbarland Frankreich hingegen kommt mit 146 Kilo Jahresverbrauch pro Kopf aus – 100 Kilo weniger, Großbritannien mit 160 Kilo. Dies zeigt, dass es für uns durchaus Einsparpotenziale gibt. 1970 betrug unser Papierverbrauch nur die Hälfte, ohne dass Mangel geherrscht hätte. In Anbetracht von 57 Kilo Weltdurchschnitt und der Tatsache, dass 57 % der globalen Bevölkerung weniger als jene 40 Kilo Papier2 zur Verfügung stehen, die laut UN zur Deckung der Grundbedürfnisse an Hygiene, Bildung und Kommunikation nötig sind, führt an einer Reduktion hierzulande kein Weg vorbei. Denn bereits heute ist der hohe Welt-Verbrauch an Papier dafür mitverantwortlich, dass jährlich 13 Millionen Hektar Wald verloren gehen – eine Fläche dreimal so groß wie die Schweiz. Zudem rangiert die Papierindustrie beim Energieverbrauch in Deutschland auf Platz drei nach der Metallerzeugung und chemischen Industrie.

Papier ist darüber hinaus ein globales Gut. In vielen Produkten finden sich Faserstoffe aus unterschiedlichsten Ländern, die von den großen Papierherstellern teils mit Zellstofffabriken vor Ort selbst erzeugt, teils von Lieferanten importiert werden. Dabei haben sich die Zentren der Zellstoff- und Papierherstellung in den letzten Jahren immer mehr von Nordeuropa und Nordamerika nach Südamerika und Asien verlagert. Dort ermöglichen hohe Holzzuwachsraten, niedrige Energie- und Personalkosten sowie vielfach schwächere Umweltauflagen höhere Profite. Es entstehen riesige Zellstofffabriken inmitten von Plantagen.

Für die ökologischen und sozialen Folgen sind wir als Verbraucher mitverantwortlich. Denn unsere Kaufentscheidungen bestimmen, welche Art der Produktion erfolgt.

Und auch viele Design-Entscheidungen beeinflussen direkt den Einsatz und die Auswahl von Papieren. Damit können sie zum Teil erheblich zum bewussten Umgang mit den natürlichen Ressourcen, die bei der Papierherstellung in Anspruch genommen werden, beitragen.

Es gibt dabei zwei grundsätzliche Ansatzpunkte:

·        die Verringerung der Einsatzmengen an Papieren durch die Dematerialisierung der jeweiligen Produkte

·        die Nutzung von Recyclingmaterialien

Die Verringerung der Einsatzmengen durch eine zumindest teilweise Dematerialisierung der Produkte greift insbesondere im Bereich der Gestaltung von Druckprodukten aller Art. Designer sind häufig gerade dort beratend tätig, wo es um Werbung, Außenauftritt und Kundenkommunikation geht. Und ein Ergebnis einer solchen Beratung kann es dann sein, Printerzeugnisse durch digitale Alternativen zu ersetzen oder durch Relaunch und Ausbau des Internet-Auftritts die Erscheinungs-Häufigkeit und Auflage von Firmenbroschüren sinnvoll zu reduzieren. Darüber hinaus werden auch immer mehr Kataloge online statt als Druckprodukt veröffentlicht.

Derartige Entscheidungen sind bei Unternehmen vor allem im Marketing angesiedelt. Doch wann immer Designer involviert sind, können sie gemeinsam mit ihrem Kunden überlegen, ob die gewünschte Botschaft sich nicht auch ohne Papier an die Zielgruppen vermitteln lässt. Werden dennoch Druckausgaben z. B. von Geschäftsberichten gewünscht, können knapp kalkulierte Auflagen, niedrige Grammaturen, kreatives Layout zur Verringerung des Seitenumfangs sowie Hinweise auf das Angebot weiterer Informationsquellen im Internet anstelle einer Fülle an Details Papiereinsparungen bewirken.

Die gezielte Nutzung solch kommunikativer Aspekte ist eine ureigene Stärke der Qualifikation von Designern. Diese werden trotz ihrer unzweifelhaft hohen Umweltrelevanz in dem vorliegenden, aus einer eher umweltwissenschaftlichen Perspektive erstellten, Materialband deshalb nicht vertiefend behandelt.

Auf der anderen Seite stehen für (fast) alle Arten von Papierprodukten moderne, hochwertige Recyclingmaterialien zur Verfügung. Informationen und praktische Hilfestellungen zur Identifikation und gezielten Auswahl solcher umweltschonenderen Papiermaterialien bilden den Kern des vorliegenden Themenpapiers.

1 Tissari J. / FAO Forestry Officer, Schriftliche Mitteilung 2.4.2013 

2 Verband Deutscher Papierfabriken VDP: Papier 2014. Ein Leistungsbericht, S. 85

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