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A2.3

Textilien

1 Einleitung

Die Textil- und Bekleidungsindustrie steht aktuell mit ihren Produkten und Produktionsmethoden im Fokus der Gesellschaft – und damit in der medialen Aufmerksamkeit. Die neuen Anforderungen an Transparenz und Nachhaltigkeit in der Lieferkette erfordern ein Umdenken der Industrie.

Dabei sind die Probleme dieser Branche keineswegs neu. Es scheint kein Zufall, dass über die letzten Jahrhunderte überall dort sukzessive Gesetze gegen Kinderarbeit oder zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Arbeiter(innen) durchgesetzt wurden, in denen zuvor Textilfabriken angesiedelt waren. Auch die Standards der ILO (International Labor Organisation) wurden unter anderem aufgrund der Praktiken in der Textilindustrie immer weiter vorangetrieben. In jüngerer Zeit sind zu diesen Regulierungen zum Schutz der Arbeiter(innen) auch wichtige Umweltstandards hinzugekommen.

In der Vergangenheit fiel es der Textilindustrie (wie vielen anderen Industrien auch) relativ leicht, nach wirtschaftlichem Aufschwung der Standorte und Verschärfung der Standards an Standorte mit billigen Arbeitskräften und mangelhaften Standards weiterzuziehen. Das ist heute durch die globale mediale Vernetzung und den daraus resultierenden Forderungen der Öffentlichkeit nach Transparenz nicht mehr so einfach ohne Gesichtsverlust möglich. Gleichzeitig können sich jedoch auch die Konsumenten ihrer Verantwortung nicht mehr einfach entziehen: Denn Gerechtigkeit und Umweltschutz haben ihren Preis und der Konsument muss bereit sein, diesen zu zahlen. Die „Erziehung“ des Konsumenten ist in diesem Fall auch Teil der ökologischen Produktgestaltung.

Trotzt der scheinbaren Schlichtheit vieler Endprodukte ist die Wertschöpfungs­kette der Textilindustrie hochkomplex. Von der Rohstofferzeugung (Chemie-, Naturfasern) über Halbfertigprodukte (Garne, Wirkwaren inkl. zugehöriger Prozesse) bis hin zu den Endprodukten sind viele Fertigungsprozesse arbeitsteilig über Unternehmens- und Ländergrenzen hinweg organisiert.

An einem Kleidungsstück aus Baumwolle lässt sich beispielhaft darstellen, welche Komponenten und Verarbeitungsschritte benötigt werden (vgl. Abbildung 1). Die Zahl der Akteure, die an der textilen Kette beteiligt sind, ist hoch. Selbst innerhalb eines Arbeitsschrittes sind mehrere Formen der Bearbeitung möglich (Verarbeitung in eigenem Betrieb, Unterauftrag, Heimarbeit, etc.). Zudem kann ein Kleidungsstück Accessoires wie Knöpfe oder Applikationen enthalten, wodurch bei dessen vollständiger Berücksichtigung die Komplexität weiter erhöht wird.

Während z.B. Baumwolle als wichtigstes Rohmaterial für Textilien im so ge­nannten Baumwollgürtel rund um den Äquator angebaut wird, wird es haupt­sächlich in Asien zum fertigen Textil verarbeitet. Nur in geringem Umfang findet die Verarbeitung (und hier fast ausschließlich die Endkonfektion) in Europa statt.

Abbildung 1: Darstellung der textilen Kette
Quelle: Made-by; verändert.

Innerhalb dieser komplexen Lieferbeziehungen muss nun sichergestellt werden, dass Qualitätsstandards bei den Arbeitsbedingungen, beim Umweltschutz und bei der Verwendung gefährlicher Stoffe eingehalten werden.
Dieses Themenpapier fokussiert auf einen Überblick über umweltrelevante Aspekte der Textilfertigung und der ökologischen Bewertung von Textilien. Soziale Aspekte, die in der Textilindustrie eine noch größere Rolle spielen als in vielen anderen Branchen, werden dabei weitestgehend außen vor gelassen. Dies ist der grundsätzlichen thematischen Ausrichtung dieser Schulungsreihe geschuldet.
Angesichts der Komplexität der Liefernetzwerke, aber auch der Umwelt- und Gesundheitswirkungen der verschiedenen Prozessschritte haben sich gerade in den Lieferketten der Textilbranche eine Vielzahl von Standards (Labeln) etabliert, die eine bestimmte „Umwelt-/Gesundheits-Qualität“ versprechen. Vor diesem Hintergrund wird nachfolgend zunächst ein kurzer Überblick über die verfügbaren Label gegeben, bevor dann auf die Umweltwirkungen in den einzelnen Prozessstufen eingegangen wird.

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