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A2.3

6 ENTSORGUNG / ENTLEDIGUNG

Viele Textilien (vor allem Bekleidung) werden heute aussortiert, weil sie nicht mehr gefallen oder nicht mehr passen. Für Kinderbekleidung gibt es einen gut funktionierenden Tauschmarkt und auch Bekleidung für Erwachsene landet z.T. im Second Hand Laden oder bei Ebay. Trotzdem dreht sich die Textilspirale immer schneller und der Großteil der Bekleidung wird über den Hausmüll bzw. bestenfalls über gesonderte Altkleidersammelbehälterüber entsorgt.

Das ist zum Teil sinnvoll – die Bekleidung erhält in vielen Fällen, insbesondere durch Exporte in Entwicklungsländer, ein weiteres Leben und in vielen Ländern hat sich um diese importierte Kleidung ein Markt aufgebaut. Entgegen mancher Kritik trägt dieser Markt (auch) dazu bei, der lokalen Bevölkerung ein Auskommen und dortigen Verbrauchern auch mit sehr kleinem Budget den Zugang zu guter Kleidung zu verschaffen.

Dennoch gibt es auch viele Nachteile in diesem System: Die Kleidung wird strategisch gemäß ihrer Qualität in vordefinierte Länder verteilt und in manchen Ländern kommt konsequent nur schlechte Qualität an. Außerdem wird die Kleidung in Ballen verkauft, so dass zwischen vielen unbrauchbaren Stücken ein paar „Schätze“ versteckt sind, um derentwillen lokale Händler die Ballen kaufen. Die „Schätze“ ermöglichen diesen Geschäftsleuten zwar ihr Aus­kommen und so manch vermeintlich Unbrauchbares lässt sich auch von kreativen Näherinnen umarbeiten. Doch andere Teile der Textilien sind nicht mehr verwertbar, Das bedeutet dann dass sie nach einer langen Reise um die Welt letztlich doch entsorgt werden.

Eine Alternative stellt die stoffliche Verwertung dar. Ein echtes Faserrecycling bei dem aus Alttextilien neue Bekleidungsstücke werden ist heute allerdings immer noch eher die Ausnahme. Überwiegend werden Textilien als  Putz- oder Polierlappen oder als Rohstoff für die Vliesstoff-, Papier- und Pappenindustrie genutzt.

6.1 Hinweise für Produktdesigner

Wie auch weiter oben gilt: Je langlebiger eine Textilie ist, desto besser. Kreieren Sie Lieblingsstücke, Klassiker oder „Multifunktionsoptik“ und durch­brechen Sie den Kreislauf des Wegwerfens.

Die getrennte Sammlung von Alttextilien und insbesondere die direkte Rücknahme durch Handel und Hersteller schaffen die Voraussetzungen für ein echtes Recycling der enthaltenen Fasern oder der Kleidungsstücke selbst – das gilt durchaus für die ganze Spannbreite von Jeans bis Teppichböden (vgl. als Beispiele das Jeans-Leasing im Themenpapier C2.1 Langlebig und die Teppichfliesen im Themenpapier C2.3 Materialeffizient).

Hier darf auch kreativ gedacht werden. Vermutlich möchte kaum jemand die alten Bettlaken fremder Menschen auftragen, aber eine Dienstleistung die es ermöglicht, die eigenen Laken in neue „geliebte Kleidungsstücke umzunähen oder umgenäht zu bekommen, wäre möglicherweise für eine Reihe von Konsumenten attratikiv. Solche und ähnliche Geschäftsmodelle sind in der Realität bereits Beiträge von Produktdesignern(innen) zur Verminderung der Wegwerfgesellschaft.

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