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A2.3

2.4 Einflüsse der Faserherstellung auf die Umweltwirkung
2.4.1 Baumwolle

Für den Anbau von Baumwolle werden erhebliche Mengen an Land benötigt. Das führt zum einen zu einem sehr hohen Landverbrauch, der an sich schon negativ ist, da die benötigte Anbaufläche z.B. in Konkurrenz zum Anbau von Nahrungsmitteln steht und darüber hinaus durch den intensiven Anbau ausgelaugt und auf lange Sicht unbrauchbar gemacht wird. Außerdem hat es großflächige Monokulturen zur Folge, die unter anderem die Gesundheit der Ökosysteme und die Biodiversität gefährdet. Darüber hinaus werden wie oben beschrieben in großen Mengen Pestizide und auch Düngemittel eingesetzt, die das Grund- und Oberflächenwasser verunreinigen. Der intensive Anbau schädigt außerdem die Bodengesundheit. Die Humusschicht verringert sich, Wasser kann nicht mehr ausreichend gespeichert werden und die nährreiche Bodenschicht wird weggeschwemmt oder vom Wind abgetragen.

Davon abgesehen vergiften sich jährlich mehrere hunderttausend Landarbeiter mit den verwendeten Pestiziden, nach vorliegenden Abschätzungen sterben rund 20.000 daran.5

Durch das für den Anbau benötigte Klima in Verbindung mit dem hohen Wasserbedarf müssen knapp 60% der Anbauflächen künstlich bewässert werden, was an vielen Orten mittelfristig das Austrocknen von Flüssen und Seen und die Versalzung der Böden zur Folge hat.

Die Genmanipulation, die auf eine Resistenz gegen Schädlinge (v.a. den Baumwollkapselkäfer) und damit einen geringeren Pestizideinsatz abzielt, ist nur mäßig erfolgreich. Während der Baumwollkapselkäfer erfolgreich fern gehalten wurde, hat die Population anderer Schädlinge rapide zugenommen, die den Einsatz von Pestiziden weiterhin notwendig machen. In der Zwischen­zeit gibt es Hinweise darauf, dass der Baumwollkapselkäfer den Schutz der Pflanze umgehen kann.

Der biologische Anbau kann viele dieser Probleme abmildern, der hohe Wasser- und Flächenbedarf bleibt jedoch bestehen.

2.4.2 Wolle

Für alle Wollarten sind die Aufzucht und die Haltung der Tiere als der entschei­dende Umweltfaktor zu bewerten, wobei besonders die Fütterung bzw. der Anbau der Futtermittel zu Umweltlasten beiträgt. Der biologische Anbau des Futters und/oder die natürliche Haltung der Tiere tragen zu möglichst geringen Umweltlasten bei.

2.4.3 Synthetische Fasern (Chemiefasern)

Die Herstellung von Zellulosefasern ist chemikalien- und energieintensiv. Bei den Chemikalien müssen die Umweltwirkungen bei der Herstellung der Stoffe berücksichtigt werden sowie die spätere prozesstechnische Aufbereitung (siehe dazu weiter unten beispielhaft Abwasser und Abluft). Zu den Umweltaus­wirkungen eines hohen Energieeinsatzes siehe das Themenpapier B2 Umweltaspekte der Energieerzeugung.

Im Gegensatz zu Baumwolle ist der Flächenbedarf der synthetischen Chemiefasern jedoch sehr gering. Zellulosefasern sollten für eine positive Umweltbilanz jedoch ebenfalls aus biologischem bzw. nachhaltigem Anbau stammen. Abgeholzter Regenwald für eine Eukalyptusplantage kann definitiv nicht zu einem ökologischen Produkt beitragen.

2.5 Hinweise für Produktdesigner

Bei der Frage, ob natürliche oder synthetische Fasern ökologischer sind, ist Schwarzweiß-Denken unangebracht. Wie bei vielen Grundstoffen die jeweiligen Umweltwirkungen in hohem Maß von den konkreten Bedingungen der Gewinnung bzw. Grundstoffherstellung ab. 

Bei natürlichen Fasern und aus Fasern nachwachsender Rohstoffe ist dabei zu beachten, dass die heute verwendeten Textilfasermengen aus biologischem bzw. nachhaltigem Anbau nicht gedeckt werden können und eine weitere Ausweitung der Erzeugungsmengen im Konflikt mit anderen Landnutzungen (z.B. zur Lebensmittelerzeugung) steht

Ein wirklich ökologisches Textildesign, sollte deshalb immer auch zu einer Reduzierung des Mengenbedarfes beitragen. Denn aus ökologischer Perspektive sind alle Fasern „wertvoll“ und das Produktdesign sollte auf eine Intensive Nutzung dieser Rohstoffe abzielen, in dem eine möglichst lange Nutzungsdauer und/oder Wiederverwendungsmöglichkeiten mit eingeplant werden.

2.5.1 Baumwolle

Baumwolle ist eine ressourcenintensive Faser; das gilt auch für Bio-Baumwolle, die darüber hinaus recht knapp ist. Aufgrund der dramatischen Pestizid-Proble­matik beim konventionellen Baumwollanbau sollte aus ökologischer Perspektive der Bio-Baumwolle unbedingt Vorrang eingeräumt werden.

Der Einsatz dieser umweltseitig sehr „wertvollen“6 Fasern in nur kurzlebigen Gebrauchsgütern, ist deshalb eher kritisch zu sehen. Wird also z.B. die Tragetasche aus Biobaumwolle als Ersatz für eine Plastiktüte verwendet, dann ist es aus Umweltperspektive von entscheidender Bedeutung, dass die Baumwolltragetasche auch wirklich entsprechend lange und häufig genutzt wird.

Je nach Einsatzfeld kann es sich lohnen neben Baumwolle auch andere, traditionelle pflanzliche Fasern wie Brennnessel, Hanf, Leinen oder Jute auf ihre jeweilige Eignung zu prüfen. Gerade in Bezug auf den notwendigen Biozid Einsatz aber auch in Hinblick auf ihren Wasserbedarf weisen diese Pflanzen z.T. deutliche Vorteile auf. Darüber hinaus gedeihen sie auch im hiesigen Klima, so dass tatsächlich regionale Nutzungskreisläufe möglich werden.

2.5.2 Wolle

Aufwändig zu gewinnende Wollfasern wie z.B. Kaschmir werden schon aus Kostengründen selten unbedacht eingesetzt, daher gibt es dazu aus Umwelt­sicht keine Gestaltungshinweise.

Bei dem Einsatz von Schafwolle kann in Erwägung gezogen werden, ob sich Schurwolle aus lokaler Haltung zur Gewinnung von Wolle eignen und sogar gefördert werden kann. Darüber hinaus ist bei Wollkleidung beim Design ebenfalls besonders darauf zu achten, dass die Kleidungsstücke eine lange Lebensdauer haben und so der hochwertige Rohstoff die ihm gebührende Wertschätzung erfährt.

2.5.3 Synthetische Fasern

Bei synthetischen Fasern ist es wichtig, dass sie in Anlagen hergestellt werden, die in Bezug auf die Abwasser und die Ablufterfassung dem Stand der Technik entsprechen. Auf diese Art und Weise können die Umweltbelastungen deutlich reduziert werden.

Die Überprüfung und Einhaltung dieser Standards sind allerdings eine große Herausforderung (vgl. hierzu die Ausführungen zu bestehenden Umweltstandards in der Textilbranche).

5 Diekamp, Kirsten, Koch, Werner: Eco Fashion. Stiebner Verlag, München, 2010.

6 „Wertvoll“ im Sinne einer sehr hohen Inanspruchnahme natürlicher Umweltressourcen.

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