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A2.2

3 Recyclingsituation und Rezyklierbarkeit

Grundsätzlich lassen sich Metalle aufgrund ihrer inhärenten Eigenschaften beliebig oft recyceln. Die tatsächlichen Recyclingraten sind jedoch weit entfernt von einer vollständigen Kreislaufführung. In Tabelle 1 sind die Recyclingraten verschiedener Metalle aufgeführt. Es zeigt sich, dass bei zahlreichen Metalle, insbesondere den sog. Technologiemetallen, praktisch keinerlei Kreislaufführung stattfindet. Bei den Massenmetallen wie Blei, Eisen oder Aluminium sind die Recyclingraten deutlich höher, aber auch hier ist die Situation weit von geschlossenen Kreisläufen entfernt.

Tabelle 1:       Recyclingraten verschiedener Metalle (Graedel et al. 2011)

Eine zentrale Voraussetzung für das Recycling ist die funktionierende Sammlung der Produkte am Produktlebensende. Doch auch wenn die Produkte im vorgesehenen Abfallstrom landen, kommt es in vielen Fällen nicht zu einer Rückgewinnung der enthaltenen Metalle. Hierfür gibt es verschiedene mögliche Ursachen:

  • Das Metall dissipiert bereits in der Produktnutzung und steht für ein Recycling nicht zur Verfügung (bspw. Katalysatormaterialien).
  • Die für das Produkt vorgesehene Recyclingroute zielt nicht auf ein Recycling des jeweiligen Metalls ab. Hierfür gibt es verschiedene mögliche Gründe, von denen in der Regel mehrere gleichzeitig auftreten:
    • Das Metall ist in einer Weise verbaut bzw. ins Produkt eingebracht, die eine Separierung und anschließende spezifische Behandlung erschwert oder unmöglich macht.
    • Das Metall ist in einer so geringen Menge im Produkt bzw. im Abfallstrom enthalten, dass kein ökonomischer Anreiz für eine Rückgewinnung besteht (Aufwand vs. Nutzen der Rückgewinnung).
    • Es stehen dem Recycler keine Informationen bzw. Erkenntnisse darüber zu Verfügung, welche Metalle im entsorgten Produkt enthalten sind.
    • Die üblichen Recyclingverfahren zielen auf die Rückgewinnung eines anderen Metalls ab (häufig Massen- und/oder Edelmetalle), was einer Rückgewinnung des betrachteten Metalls entgegensteht.

Es steht kein (ökonomisch rentabel durchführbares) Recyclingverfahren für das betrachtete Metall zur Verfügung.

Das Metallrad (Wheel-of-metals, Abbildung 4) veranschaulicht einige dieser Problematiken im Metallrecycling. Die Recyclingrouten für Metalle richten sind im Wesentlichen nach den Prozessrouten für die Primärgewinnung und bestehen folglich für die folgenden Metalle: Eisen (Fe), Aluminium (Al), Titan (Ti), Magnesium (Mg), Lithium (Li), Seltene Erden (RE), Strontium (Sn), Kupfer und Nickel (Cu, Ni), Blei (Pb), Zink (Zn), Nickel und Chrom (Ni, Cr) und Mangan (Mn) (innerer Kreis in der Abbildung). Innerhalb dieser Recyclingrouten besteht die Möglichkeit bestimmte andere Metalle ebenfalls zurückzugewinnen (grüne Punkte in der Abbildung). So kann im Kupferrecycling beispielsweise Gold (Au) oder Platin (Pt) zurückgewonnen werden. Für andere Metalle besteht in den verschiedenen Recyclingrouten jedoch keine oder nur eine eingeschränkte Möglichkeit zur Rückgewinnung (gelbe und rote Punkte). In der Kupferroute gilt dies beispielsweise für die Seltenen Erden (REs).

Die Metalle, die nicht zurückgewonnen werden, landen je nach Prozessroute und Eigenschaften in Schlacke, Stäuben oder als Verunreinigung im recycelten Metall. Im recycelten Metall können diese Verunreinigungen einen negativen Einfluss auf die Eigenschaften haben, so reduziert Kupfer als Verunreinigung im Stahl beispielsweise dessen Bearbeitbarkeit deutlich, reduziert Festigkeit und Schweißeignung.

Abbildung 4: „Wheel-of-metals“ (Reuter et al. 2013)
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