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A1.6

2 Hintergrund

Was ist Landnutzung bzw. Landnutzungsänderung?

Jeder Landstrich hat einen natürlichen Grundzustand, die Wildnis. Der Mensch nutzt jedoch schon seit langem viele Flächen für unterschiedliche Aktivitäten wie Landwirtschaft, Gebäude etc., weshalb statt der Wildnis eine Kulturlandschaft entstanden ist. Dies ist die Landnutzung (engl. land use). Häufig werden Flächen einer neuen Nutzung zugeführt, indem z. B. neues Bauland an Stellen geschaffen wird, die zuvor landwirtschaftlich bewirtschaftet wurden. Dies ist die Landnutzungsänderung (engl. land use change).

In der Definition der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) heißt es im Jahre 1999: „Land use is characterized by the arrangements, activities and inputs people undertake in a certain land cover type to produce, change or maintain it.“1

1 Landnutzung ist gekennzeichnet durch Vorkehrungen, Aktivitäten und Einwirkungen, die Menschen an einer bestimmten Art der Bodenbedeckung vornehmen, um diese herzustellen, zu verändern oder zu erhalten.

2.1 Nutzung von Fläche

In Deutschland wird der größte Teil der Flächen landwirtschaftlich genutzt oder ist von Waldflächen bedeckt (Abbildung 1), die in der Regel bewirtschaftet werden. Der Anteil von Urwäldern (unberührte Wälder) ist in Deutschland sehr gering, er soll bis zum Jahr 2020 auf zwei Prozent2 angehoben werden.

Abbildung 1: Aufteilung der Fläche in Deutschland 2012
Quelle: eigene Abbildung auf Basis der Zahlen aus Statistisches Bundesamt 2013

Die restlichen Flächen mit Ausnahme der Wasserflächen, der Flächen für den Abbau von Rohstoffen (Abbauland) und sonstiger Flächen im Außenbereich, die nicht der Land- und Forstwirtschaft dienen (z. B. Truppenübungsplätze), werden unter dem Begriff Siedlungs- und Verkehrsfläche zusammengefasst. Diese Fläche wird kontinuierlich größer. Im Jahr 2012 vergrößerte sie sich täglich um 74 ha (vgl. Abbildung 2).

Abbildung 2: Anstieg der Siedlungs- und Verkehrsfläche in Deutschland in ha pro Tag
Quelle: Statistisches Bundesamt, zuletzt geprüft am 12.02.2015.

Das Wachstum der Siedlungs- und Verkehrsflächen ist in vielen Regionen der Welt zu beobachten. Meist wachsen sie zulasten von Landwirtschaftsflächen und fruchtbaren Böden. Hauptursache ist eine wachsende Bevölkerung und – im Zuge des Industrialisierung – auch eine zunehmende Verstädterung.

Gleichzeitig kommt es in vielen Regionen, in denen die Bevölkerung wächst, durch Überweidung und Entwaldung auch zu zunehmender Wüstenbildung. Jedes Jahr gehen weltweit ca. 12 Millionen ha fruchtbarer Boden verloren.3

Es wächst nicht nur die Weltbevölkerung, es ändern sich mit wachsendem Wohlstand auch die Ernährungsgewohnheiten. Mehr Menschen essen immer mehr tierische Produkte, für deren Erzeugung auch mehr Landwirtschaftsfläche benötigt wird als für pflanzliche Produkte. Hinzu kommt der wachsende Bedarf an Landwirtschaftsflächen für Biokraftstoffe. Deshalb werden weltweit jährlich große Waldflächen zerstört (teilweise durch Brandrodung), um sie der Landwirtschaft zur Verfügung zu stellen.

Um die wachsende Nachfrage nach Biomasse zu befriedigen wird auch in Europa immer mehr Dauergrünland (Wiesen, Weideland) zu Ackerland umgebrochen, um darauf Mais, Raps oder Energiegetreide anzubauen.

2.2 Politische Ziele

Es ist erklärtes Ziel der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung aus dem Jahr 2002, den täglichen Flächenverbrauch durch Siedlungs- und Verkehrsflächen bis zum Jahr 2020 auf 30 ha täglich4 zu reduzieren. Da Fläche eine endliche Ressource ist, ist dieses Ziel im eigentlichen Sinn des Begriffes noch nicht nachhaltig, da im Jahr 2020 immer noch täglich zusätzliche Fläche verbraucht wird. Der Rat der Sachverständigen für Umweltfragen und der Rat für nachhaltige Entwicklung schlagen deshalb vor, bis zum Jahr 2050 die Neuinanspruchnahme von Flächen vollständig durch eine Flächen-Kreislauf-Wirtschaft zu ersetzen.

Auch die Europäische Union versucht durch Verordnungen diesen Prozessen entgegen zu wirken. So wird beispielsweise in der EG-Verordnung Nr. 796/2004 festgelegt, dass Dauergrünland, im Vergleich zum Stand im Jahr 2003 (VO (EG) Nr.796/2004), um nicht mehr als 10 % zurückgehen darf. Das heißt, das Ackerland soll nicht mehr auf Kosten von Wiesen und Weiden wachsen.

4 30 ha entsprechen ungefähr 28 Fußballfeldern.

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