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A1.6

5 Bewertung von Flächen

Jede Fläche, egal in welcher Region der Erde hat einen natürlichen Grundzustand, sein ökologisches Gleichgewicht. Wird eine Fläche vom Menschen bewirtschaftet, verändert sie ihre Struktur und der Lebensraum der dort ansässigen Lebensgemeinschaft aus Pflanzen, Tieren und Bodenorganismen wird beeinträchtigt. Um diese Beeinflussung sowohl qualitativ zu beschreiben als auch zu quantifizieren, müssen die Flächen in unterschiedliche Qualitäts-Klassen unterteilt werden. Auch wenn es schon einige Ansätze gibt, gibt es keine einheitliche Einteilung von Flächen. Dies ist noch Objekt aktueller Forschung. Ein in Deutschland häufig verwendetes Modell ist das der Hemerobiestufen (vgl. Kasten).

In Deutschland sind die sog. Hemerobiestufen weit verbreitet. Diese unterscheiden, je nach Methode, zwischen 6-11 unterschiedlicher ‚Stufen‘ der Natürlichkeit. Dabei wird ein natürliches Ökosystem als ahemerob und ein vollkommen künstlich versiegelter Boden als metahemerob bezeichnet wird. Die in Tabelle 1 aufgelisteten Stufen zeigen ein Beispiel der Einteilung von Flächen nach diesem Kriterium.

Tabelle 1: Einteilung nach Hemerobiestufen nach Peper et al. 1985 aus (Klöffer & Grahl 2009)

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Zuordnung von Flächen zu den Hemerobiestufen. Für Waldflächen wird beispielsweise die Naturnähe des Bodens (z. B. Intensität mechanischer Bodenbearbeitung, Pestizideinsatz und Kalkung), die Naturnähe der Waldgesellschaft (z. B. relative Baumartenvielfalt und Totholzvorrat) und die Naturnähe der Entwicklungsbedingungen (z. B. Spontanität der Walderneuerung und Intensität der Pflegeeingriffe) berücksichtigt. Für landwirtschaftliche Flächen sind Kriterien wie relative Artenvielfalt, Anteil seltener Arten, Schlaggröße, Intensität der Bodenbearbeitung, Bodenbedeckung, Fruchtfolge, Dünge- und Pestizidintensität Kriterien der Einordnung.

Um diese Nutzung zu quantifizieren, wird der Zeitraum, in dem eine Fläche genutzt wird um eine bestimmte Menge von Biomasse zu produzieren, mit der Größe der Fläche multipliziert. Daraus ergibt sich eine Landnutzung pro Mengeneinheit produzierter Biomasse mit der Einheit Quadratmeter mal Jahr [m2·a] für jede zuvor definierte Landnutzungsart.

Dieser grundlegende Ansatz kann noch erweitert werden, indem nicht nur die Nutzungsart und die Zeit betrachtet werden, sondern auch, ob zur Erzeugung von Biomasse direkt oder indirekt eine Landnutzungsänderung erforderlich war.

Bei der direkten Landnutzungsänderung würde man darauf schauen, welchen Zustand die Fläche zuvor hatte. Wurde um Rapsöl herzustellen ein schon bestehender Acker verwendet oder ein Wald gerodet?

Bei der indirekten Landnutzungsänderung würde man hingegen vergleichen, inwieweit in einem bestimmten Jahr im globalen Maßstab Landnutzungsänderungen, z. B. von Wald zu Ackerland, stattgefunden haben. Diese Landnutzungsänderung würde nach einem Verteilungsschlüssel – über den man trefflich streiten kann – entweder allen in diesem Jahr erzeugten Agrarprodukten oder allen zusätzlich erzeugten Agrarprodukten angelastet. Würde in globalem Maßstab der Anbau von Raps für Biodiesel ausgeweitet, würde ihm auch ein entsprechender Teil der indirekten Landnutzungsänderung zugerechnet.

Aus der Landnutzung oder der Landnutzungsänderung ergeben sich eine Vielzahl von Auswirkungen auf Umwelt und Menschen. Diese können über wissenschaftliche oder statistische Modelle hergeleitet werden. Beispiele hierfür sind die Biodiversität oder die Emission von Treibhausgasen (s. Themenpapier A1.1 Klimawandel, Abschnitt 2.4 Landnutzungsänderung).

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