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A1.6

3 Auswirkungen von Landnutzungsänderungen

Die menschliche Nutzung von Fläche hat deutliche Auswirkungen auf die Umwelt. So sind Flächennutzungsänderungen die Haupttreiber bei der Veränderung von Ökosystemen (MEA 2005). Die ausgelösten Veränderungen können sehr unterschiedlich sein und sind unter anderem abhängig von der Nutzungs- und Bewirtschaftungsart, von Klima und Wetter sowie dem ursprünglichen Zustand der genutzten Fläche.

So können Flächennutzungsänderungen beispielsweise den Wasserkreislauf, die Bodenerosion, die Artenvielfalt und -zusammensetzung (s. Themenpapier A1.5 Biodiversität) und die Klimaregulation beeinflussen sowie ganze Naturräume zerschneiden.

3.1 Beeinflussung des Wasserkreislaufs

Die Nutzung des Bodens hat einen Einfluss auf den Wasserkreislauf. Beispiel hierfür sind die Grundwasserneubildung und der Nährstoffeintrag.

Wenn Regen auf einen durchlässigen Boden trifft, so verdunstet ein Teil, ein Teil wird von der Vegetation ausgenommen und der Rest versickert. Dieses versickerte Wasser wird durch den Boden gefiltert und trägt zur Grundwasserneubildung bei. Werden Flächen versiegelt, zum Beispiel durch Straßenbau, oder verdichtet, zum Beispiel durch den Einsatz schwerer landwirtschaftlicher Fahrzeuge auf Äckern, so kann das Regenwasser an dieser Stelle nicht im Boden versickern und es kann sich kein neues Grundwasser bilden. In ebenem Gelände bildet das Regenwasser an der Oberfläche Pfützen oder die Nässe staut sich in den oberen Bodenschichten, bis das Wasser allmählich verdunstet. An Hängen läuft das Wasser talwärts ab. Auf Landwirtschaftsflächen kann dies u. U. auch zu Bodenerosion führen (s. unten).

Auch kann der Eintrag von Nährstoffen durch die Nutzung von Flächen durch die Landwirtschaft die Wasserqualität beeinflussen (vgl. Themenpapier A1.7 Entnahme und Nutzung von Wasser).

3.2 Bodenerosion durch Wasser- und Wind

Durch landwirtschaftliche Nutzung wird, insbesondere durch Pflügen oder Maisanbau, die Vegetationsschicht zeitweise entfernt oder ausgedünnt, was zur Erosion des Bodens führen kann.

Wenn es stark regnet und Regenwasser in großer Menge auf Boden trifft, kann es oft nicht schnell genug versickern. In der Ebene bilden sich lediglich Pfützen, aber in Hanglage fließt die überschüssige Wassermenge über die Oberflächen ab ins Tal. Wenn nun die schützende Vegetationsschicht fehlt, kann es dazu kommen, dass die oberen fruchtbaren Bodenschichten vom abfließenden Wasser mitgerissen werden, die sog. Wassererosion.

Eine zweite Form ist die Winderosion. Sind offene Flächen ohne schützende Vegetation dem Wind ausgesetzt, so wird ebenfalls Boden abgetragen und in andere Gebiete verdriftet. Dieser Effekt trat bspw. in den USA in den 1930er Jahren besonders heftig auf. Die Great Plains waren von Weidefläche in eine Getreidefläche umgewandelt worden, die Grasnarbe, die den Boden jahrhundertelang vor Erosion geschützt hatte, war umgepflügt. Da der Wind hier jedoch besonders heftig bläst, wurde der Boden durch den Wind abgetragen. Diese Winderosion führte am 11. Mai 1934 dazu, dass die gesamte Ostküste der USA von einer dunklen Staubwolke eingehüllt wurde. Die Wolke bestand aus rund 350 Millionen Tonnen fruchtbaren Ackerboden. Hierdurch wurden 3,6 Millionen Hektar Ackerland zerstört und 32,4 Millionen Hektar schwer beeinträchtigt (Schichl/Schuster 1986).

3.3 Klima

Die Veränderung der Bodenstruktur und Vegetationsdecke hat auf unterschiedliche Weise einen Einfluss auf das Klima.

Zum einen kann eine Bodenveränderung direkt Treibhausgase freisetzen und damit zur Temperaturerhöhung der Erde insgesamt beitragen (s. Themenpapier A1.1 Klimawandel, Abschnitt 2.4 Landnutzungsänderung).

Zum anderen kann sie Einfluss auf das Mikroklima haben. Dies ist der lokal verursachte Einfluss auf Temperatur, Wind und Luftfeuchtigkeit. Je nach Bewuchs und Beschaffenheit einer Oberfläche ergeben sich unterschiedliche Oberflächentemperaturen. Ein Phänomen, das deutlich wird, wenn man im Sommer barfuß über Asphaltboden und eine Wiese geht. Bei gleicher Sonneneinstrahlung sind die Temperaturen unterschiedlich hoch und die darüber liegende Luftschicht erwärmt sich daher auch unterschiedlich. Auch sind Wärmespeicherkapazitäten von Landschaftsformen verschieden.

Auch die Weise wie Wasser verdunstet oder gespeichert wird unterschiedet sich je nach Oberfläche und Bewuchs. Dies hat Einfluss auf die Luftfeuchtigkeit. Die Art der Erhebungen hat wiederum Einfluss auf die lokale Windgeschwindigkeit.

3.4 Landschaftszerschneidung

Bei der Neuerschließung von Wohngebieten und dem Bau von Straßen und Bahntrassen gibt es neben dem primären Einfluss auf den genutzten Boden auch einen sekundären Einfluss auf die angrenzenden Gebiete. Werden durch die neue Nutzung zusammenhängende Gebiete zerschnitten, in dem Wildtiere leben, so können Populationen getrennt werden und der genetische Pool der verbleibenden Fortpflanzungsgemeinschaft wird verringert. Teils werden die zusammenhängenden Flächen zu klein, um der ursprünglich vorhandenen Lebensgemeinschaft adäquaten Lebensraum zu bieten.

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