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A1.4

4 Toxizitätsbezogene Wirkungskategorien

Soweit die Emissionsinformationen verfügbar sind, können Schadstoffemissionen in den beiden Wirkungskategorien „Humantoxizität“ und „Ökotoxizität“ bewertet werden. Zum Vergleich bzw. zu ihrer Quantifizierung müssen die Wirkungen der unterschiedlichen freigesetzten Schadstoffe normiert und aggregiert werden.

Für die Quantifizierung der Wirkungen sind verschiedene Verfahren entwickelt worden. Vergleichsweise einfache Herangehensweisen normieren die (Öko-) Toxiziät indem sie die Emissionsmengen der verschiedene Schadstoffe durch ihre jeweilige (Öko-) Toxizität dividieren. Die Summe aller so ermittelten Werte bildet dann das Toxizitätspotenzial ab.

Die (Öko-) Toxizität selbst wiederum lässt sich durch unterschiedliche Kennzahlen ausdrücken. Eine ist beispielsweise die Stoffmenge oder -konzentration, bei der 50 % der Versuchstiere verenden (Letale Dosis oder Konzentration LD50 oder LC50). Eine kleine Zahl bedeutet also, dass es sich um einen besonders giftigen Stoff handelt (denn bereits bei einer geringen Stoffmenge verenden 50 % der Tiere) und eine große Zahl zeigt einen weniger giftigen Stoff an.

Andere Ansätze beziehen die Toxizitäten der Schadstoffe jeweils auf eine Referenzsubstanz und berechnen sog. Toxizitätsäquivalente, mit denen sie die Emissionsmengen gewichten.

Diese Verfahren führen grundsätzlich zu einem quantifizierten Ergebnis (ein (Öko-) Toxizitätspotenzial2). Sie benötigen aber entsprechende Daten über die Ergebnisse der Versuche zur Bestimmung der Toxizität, die vielfach nicht bzw. nicht aus konsistenten Quellen verfügbar sind. Dies kann zu Verzerrungen der Ergebnisse führen. Die Ansätze sind zudem eher als „überschlägig“ zu bezeichnen, da keine Unterschiede bzgl. der möglichen Wirkungen (unterschiedliche Arten von Umwelt- und Gesundheitsschäden werden zusammengefasst) gemacht werden.

Ein weiteres grundsätzliches Problem bei diesen Ansätzen ist, dass die tatsächliche Exposition von Mensch und/oder Umwelt gegenüber den Chemikalien nicht berücksichtigt wird. Da die emittierten Schadstoffe a) sich in der Umwelt verteilen und verdünnen und b) abgebaut werden können, kann sich die Menge eines Schadstoffes, mit der Mensch und/oder Umwelt tatsächlich in Kontakt kommen, signifikant von der emittierten Menge unterscheiden. Wird dies nicht berücksichtigt, kann es sein, dass Schadstoffe mit einer hohen Toxizität eine Wirkungsabschätzung dominieren, obwohl sie in der Realität (z. B. durch einen raschen Abbau in der Umwelt) keine Gefährdung darstellen.

In den letzten Jahren haben sich verschiedene Experten zusammengetan, um die Schwierigkeiten bei der Wirkungsabschätzung bezüglich der Humantoxizität und der Ökotoxizität zu lösen. Ein vielversprechender Ansatz ist das Instrument USEtox3, mit dem eine Wirkungsabschätzung durchgeführt werden kann. Aufgrund seiner weiten Akzeptanz kann es ein erster Schritt zu einer vereinheitlichten Bewertung sein. Das Modell erfordert (leider) eine relativ detaillierte und umfangreiche Dateneingabe und berechnet dann Faktoren zur Gewichtung von Schadstoffemissionen. Es unterscheidet zwischen verschiedenen Effekten und ermittelt Faktoren für die Humantoxizität sowie die Umwelttoxizität. Für die sachgerechte Interpretation dieser Ergebnisse ist allerdings wiederum vergleichsweise viel Fachexpertise erforderlich.

2 Der Begriff Potenzial wird in diesem Zusammenhang verwendet, da die Toxizität nur dann zum Tragen kommt, wenn der Stoff auch tatsächlich mit Mensch und Umwelt in Berührung kommt (Exposition). Die Toxizität eines Stoffes ist insofern nicht aussagekräftig in Bezug auf die tatsächlich zu erwartenden Schädigungen. 

3 http://www.usetox.org/

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