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A1.4

Schadstofffreisetzung

1 Einleitung

Schadstoffe werden üblicherweise nicht auf der Ebene von ganzen Produkten, sondern auf der Ebene von einzelnen Stoffen bewertet.

Wenn die Schadstoffe in Produkten bewertet werden, kann eine Betrachtung anhand der Zusammensetzung (s. Themenpapier B1.5 Problemstoffarmut) vorgenommen werden. Werden schädliche Stoffe in der Rezeptur verwendet? Diese Untersuchung kann sich auf einzelne Stoffe oder ganze Stoffgruppen beziehen (z. B. Dioxine oder PAKs).

Eine weitere Möglichkeit, Schadstoffe in Produkten zu betrachten, ist anhand einer Lebenswegbetrachtung des Produktes durch eine Ökobilanz (s. Themenpapier B2.1 Die Ökobilanz).

In der Praxis der Ökobilanzierung werden Aspekte der Risiken durch den Gehalt gefährlicher Stoffe in Produkten derzeit vielfach nur in stark reduzierter Form umgesetzt. So setzt sich die Sachbilanz (s. Themenpapier B2.1 Die Ökobilanz und dort Kapitel 2.4 Sachbilanz) in der Regel lediglich aus Emissionen von Schadstoffen aus den Prozessen der Energiegewinnung und des Transportes zusammen, während die verwendeten Chemikalien oft nicht aufgeführt werden. Hierdurch fehlt einer detaillierten Berücksichtigung von Chemikalien in Ökobilanzen bereits die notwendige Grundlage.

In Ökobilanzen für Produkte sollte jedoch auch die Wirkung von freiwerdenden Schadstoffen1, die zur Herstellung des Produktes entweder als Prozesshilfsmittel oder als Chemikalie, die in dem Produkt verbleibt, auf Mensch und Umwelt berücksichtigt werden. Hierfür ist die Freisetzung (Emission) der Schadstoffe aus den jeweiligen Herstellungs-, Transport, Nutzungs- und Entsorgungsprozessen zu bestimmen und in der Wirkungsabschätzung zu bewerten.

Dieser Aspekt der Bewertung von Schadstofffreisetzungen entlang des Lebensweges mit dem Werkzeug der Ökobilanzierung wird hier diskutiert. Dieses Vorgehen ist mit einer Reihe grundlegender Herausforderungen verbunden, die einerseits der Komplexität chemischer Strukturen und Wirkungen und andererseits dem Mangel an Primärdaten geschuldet ist.

Die daraus resultierenden Möglichkeiten und Grenzen der Schadstoffbewertung mit Hilfe der Ökobilanz-Instrumente wird im Weiteren dargestellt.

1 Unter Schadstoffen werden in diesem Kapitel alle Stoffe verstanden, die chemikalienrechtlich als gefährlich für Mensch und Umwelt eingestuft werden, die also eine schädliche Wirkung auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt haben können. Stoffe, die gefährliche physikalisch-chemische Eigenschaften haben, werden hierunter nicht verstanden. 

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