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A1.2

2 Hintergrund und Wirkmechanismen (Fortsetzung)

2.3 Waldschäden

Seit den 1990er Jahren zeigten sich deutliche Schädigungen des Waldes. Seither erfasst ein Monitoring in regelmäßigen Abständen den Zustand der Bäume (vgl. Abbildung 3 und Abbildung 4). Die letzte Erhebung zeigte einen hohen Grad der Schädigung: Nur 39% der Bäume zeigte keine Kronenverlichtung, bei der Eiche sind es sogar nur 17%2

Für die Waldschäden machten Wissenschaftler in den 1990er Jahren den sauren Regen verantwortlich. Heute weiß man, dass der Waldzustand noch von verschiedenen weiteren Faktoren beeinflusst wird. Die Einwirkung von Luftschadstoffen und die damit einhergehende Versauerung des Bodens spielen weiterhin eine wesentliche Rolle. 

Konsequenterweise ist der Waldboden daher auch Gegenstand von wissenschaftlichen Untersuchungen. Eine umfassende Bodenzustandserhebung im Wald deutet u.a. auf Bodenversauerung und Basenverarmung in den Böden hin. Damit einher gehen Risiken für Grund- und Quellwasser, Engpässe in der Baumernährung sowie Nährstoffungleichgewichte infolge erhöhter Stickstoffeinträge.3 

Die beobachtete Bodenversauerung führt zudem über folgende Kausalkette zu verringerter Standfestigkeit der Bäume: Durch den niedrigen pH-Wert verringert sich die Zahl der Regenwürmer. Dadurch verringert sich die Durchmischung der Bodenschichten und die Nährstoffe verbleiben nahe der Oberfläche. In der Folge wurzeln die Bäume flacher, was zu geringerer Standfestigkeit führt.

Abbildung 3: Entwicklung der Schadstufenanteile (alle Baumarten)
Quelle: Ergebnisse der Waldzustandserhebung 2012, S. 5.
Abbildung 4: Entwicklung der Schadstufenanteile (Eichen)
Quelle: Ergebnisse der Waldzustandserhebung 2012, S. 17.
2.4 Versauerung von Gewässern

Auch Gewässer haben eine gewisse Pufferkapazität, die den Eintrag von Säurebildnern so lange puffert, bis die Pufferwirkung aufgebraucht ist. Meerwasser ist mit einem pH-Wert von 8,2 leicht basisch, auch der Mittelwert von Flusswasser tendiert mit 6,5 – 8,5 eher zu einer basischen Zusammensetzung. Je nach geologischen Gegebenheiten kann sich der pH-Wert von Gewässern jedoch stark unterscheiden. Während der Zürichsee als ein Gewässer in kalkreichem Gebiet einen pH-Wert von 7,6 – 8,4 und eine im Vergleich recht hohe Pufferwirkung aufweist, enthalten Gewässer in Regionen mit kristallinem Gestein wie Gneise oder Granite nur geringe Konzentrationen von Kalzium, Magnesium oder Karbonat und verfügen über eine geringere Pufferwirkung. Die durch Versauerung vor allem geschädigten Seen in Skandinavien weisen durch ihr Vorkommen in Gegenden mit kristallinem Gestein eher geringe Pufferwirkung auf. 

Ähnlich der Vorgänge im Boden werden auch im Gewässer bei niedrigerem pH-Wert bestimmte Metall-Ionen (v. a. Aluminium) remobilisiert. Schädigungen entstehen somit durch den direkten Einfluss der pH-Verschiebung und durch zusätzliche toxische Effekte gelöster Metalle. In der Folge verschiebt sich die Zusammensetzung der Planktongemeinschaft (Indikator für Versauerung). Auffallend direkte Schäden zeigen die Fischpopulationen. Allgemein wirkt sich die Versauerung negativ auf die Reproduktion der Fische aus. Durch den tiefen pH-Wert werden die Jungstadien der Fische geschädigt. Dadurch brechen die Populationen ein. Aber auch die Mortalität der erwachsenen Tiere ist bei Versauerung – insbesondere durch die Fischtoxizität der Aluminium-Ionen – erhöht.

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