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5 Bewertung und Reduktion der Emissionen

5.1 Ökobilanz und Product Carbon Footprint

Wie oben erläutert, stehen wirtschaftliche Prozesse wie die Herstellung von Produkten, Transporte oder Verbrauch an Elektrizität in direktem oder indirektem Zusammenhang mit Faktoren der Klimaänderung, insbesondere mit der Emission von Treibhausgasen. Eine der grundlegenden Bemühungen der ökologischen Produktgestaltung ist die Verringerung u. a. dieser Emissionen im Verlauf des Produktlebensweges. Die strukturelle quantitative Erfassung der relevanten Emissionsquellen sowie deren Bewertung zeigen Optimierungsoptionen auf. Als Bewertungsinstrumente dafür bieten sich beispielsweise die Ökobilanz oder der Product Carbon Footprint an.

In der ökobilanziellen Analyse wird die Einwirkung anthropogen verursachter Emissionen auf das Klima mit Hilfe des jeweiligen Treibhauspotenzials (Global Warming Potential, GWP) in der Wirkungskategorie Klimawandel erfasst und ausgewertet (s. Themenpapier B2.1 Die Ökobilanz).

Eine weitere Bewertungsmethode ist der Product Carbon Footprint (PCF) (s. Themenpapier B2.2 Eindimensionale Methoden), also der klimarelevante Fußabdruck eines Produktes.

Sofern die Menge der Treibhausgase bezogen auf ein Produkt ermittelt wird, was im Rahmen des Produktdesign die häufigste Anwendung sein dürfte, handelt es sich bei den Bewertungsergebnissen GWP und PCF um jeweils dieselbe Kennzahl. Sie drückt die Klimawirkung eines Produktes aus.

Der Unterschied einer Ökobilanz und eines Product Carbon Footprints (bezogen auf ein Produkt) besteht vereinfacht zusammengefasst darin, dass beim Product Carbon Footprint ausschließlich die Klimawirkung ermittelt wird, während die Klimawirkung bei der Ökobilanz nur eine der analysierten Umweltwirkungen darstellt.

Beispiel
Ökobilanzergebnisse10 für 1 kg High Density Polyethylene (HDPE):11

Klimawandel (GWP): 1,96 kg CO2-äqu
Versauerungspotenzial (AP): 6,39 g SO2-äqu
Eutrophierungspotenzial (EP): 0,43 g PO4-äqu
Ozonbildungspotenzial (POCP): 1,23 g Ethen-äqu

Product Carbon Footprint für 1 kg High Density Polyethylene (HDPE):

PCF: 1,96 kg CO2-äqu

10 Diese üblicherweise verwendeten Abkürzungen beziehen sich jeweils auf die englische Bezeichnung der Kategorien: Global Warming Potential (GWP), Acidification Potential (AP), Eutrophication Potential (EP) und Photochemical Ozone Creation Potential (POCP).

11 PlasticsEurope, Ecoprofile 2008.

5.2 Emissionshandel und Kyoto-Mechanismen

Im Kyoto-Protokoll einigten sich eine Reihe von Staaten12 darauf, ihre Treibhausgasemissionen zu verringern (vgl. www.unfccc.int, UN 1998). Im Protokoll werden diese Staaten im Annex B aufgelistet, weshalb diese Staatengruppe in diesem Zusammenhang meist „Annex B-Staaten“ genannt werden. In diesem Protokoll setzten sich die industrialisierten Länder unter anderem auch quantitative Ziele zur Reduktion der Treibhausemissionen, die sowohl mit statischen als auch mit flexiblen Mechanismen umgesetzt werden sollen.

Als statische Maßnahme sind nationale Reduktionsmaßnahmen zu nennen, welche durch Emissionsgrenzwerte etc. die Emissionen im eigenen Land reduzieren sollen.

Darüber hinaus bieten aber auch flexible Instrumente (Kyoto-Mechanismen) die Möglichkeit, Gutschriften für Reduktionen in anderen Ländern zu erhalten. Dies ist möglich, da Treibhausgase global wirken. Für ihre Schadwirkung ist es gleichgültig, wo auf der Welt sie emittiert werden. Umgekehrt wirkt eine Reduktion der Treibhausgase ebenfalls global – gleichgültig, wo die Einsparung stattfindet.

Grundlage der flexiblen Mechanismen ist der Gedanke des „Cap and Trade“. Das bedeutet, es wird die zulässige Menge der Treibhausgasemissionen der Vertragspartner für die nächsten Jahre errechnet und unter den verschiedenen Ländern bzw. Unternehmen entsprechend in Form von Emissionsrechten (Zertifikaten) aufgeteilt („Cap“). Diese Emissionsrechte können zwischen Ländern untereinander bzw. zwischen Unternehmen untereinander gehandelt werden („Trade“).

Der Auswahl dieses Instrumentes liegt unter anderem folgender marktwirtschaftlicher Gedanke zugrunde: Es sollen nicht nur Emissionen reduziert werden, die Reduktion soll auch ökonomisch effizient erreicht werden.

Die Vergabe dieser Zertifikate ist die Grundlage dreier wesentlicher Mechanismen (1) des Internationalen Emissionshandels (zwischen Annex B-Staaten), (2) der Joint Implementation (JI) und (3) des Clean Development Mechanismus (CDM).

Der internationale Emissionshandel ermöglicht den Handel mit sog. Emissionsrechten zwischen den Ländern. Reduziert ein Land seine Emissionen über das Maß der vereinbarten Ziele hinaus, kann es die verbliebenen Emissionsrechte an ein anderes Land veräußern. Neben diesem Handel zwischen den Vertragspartnern des Kyoto-Protokolls gibt es auch den EU-Emissionshandel. Die von der EU herausgegebenen Emissionsrechte werden direkt an große Unternehmen einiger ausgewählter Branchen verteilt, die diese dann untereinander über die zuständige Emissionshandelsstelle handeln können.

Problematisch war und ist bei diesem im Prinzip äußerst effektiven System, dass zu Beginn zu viele Emissionszertifikate ausgegeben wurden. Dadurch hatten sowohl Länder als auch Unternehmen mehr Emissionsrechte, als sie benötigten, wodurch das Marktsteuerungsmittel der Knappheit nicht erzeugt werden konnte. Emissionsrechte werden daher so billig gehandelt, dass es weitaus günstiger ist, Zertifikate zu kaufen als Emissionen zu mindern.

Da es gleichgültig ist, wo auf der Welt die Emissionen reduziert werden, ist es sinnvoll, zunächst dort zu reduzieren, wo mit wenigen und günstigen Maßnahmen der größtmögliche Effekt erzielt werden kann.

Neben diesem direkten Handel mit Zertifikaten gibt es daher zwei weitere Mechanismen, mit denen man Reduktionsziele auslagern kann. Eins ist das Prinzip der Joint Implementation (JI, Gemeinsame Projektumsetzung). Indem ein Land Reduktionsmaßnahmen in einem anderen Land finanziert, kann der Investorstaat Emissionsrechte für seine heimischen Schadstoffproduzenten erwerben. Dieser Handel ist jedoch nur zwischen Annex B-Staaten gestattet. Insgesamt bleibt dabei die Obergrenze der gesamten Emissionsrechte aller Annex B-Staaten gleich.

Ähnlich funktioniert das Prinzip des Clean Development Mechanism (CDM, Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung). Hierbei werden, genau wie beim JI, die Treibhausgasemissionen in einem anderen Land reduziert – in diesem Fall jedoch in einem Nicht-Annex B-Staat. Durch die Emissionsreduktion in einem sogenannten Drittland erwirbt der Investorstaat zusätzliche und neue Emissionsrechte, wodurch sich die Gesamtmenge der vorhandenen Emissionsrechte erhöht.

Sowohl JI als CDM haben neben der Emissionsreduktion wichtige weitere Funktionen. Zum einen werden ärmeren Staaten dadurch Kapitalmittel für Maßnahmen zur Reduktion von Treibhausgasen zur Verfügung gestellt. Zum anderen findet ein Technologietransfer statt, der eine weitere Verbreitung von Umweltschutztechniken in diesem Land befördert.

Zum Einstieg in dieses Thema siehe Umweltbundesamt, Deutsche Emissionshandelsstelle DEHSt, http://www.dehst.de.

12 191 Staaten und die Europäische Union.

5.3 Kompensation von Emissionen

Neben dem Emissionshandel und den Mechanismen zur Reduktion der nationalen Treibhausgasemissionen gibt es auch die Möglichkeit, freiwillig Projekte zur Emissionsreduktion zu unterstützten. Hiermit können Privatpersonen und Unternehmen ihre Klimabilanz „ausgleichen“.

Das Prinzip lehnt sich an JI und CDM an. An die von privaten Unternehmen / Organisationen initiierten Projekte werden häufig (auf freiwilliger Basis) auch die strengen Richtlinien des Kyoto-Protokolls angelegt. Um die Einhaltung dieser Richtlinien auch für diesen freiwilligen Markt zu gewährleisten, gibt es Zertifizierungen, die Projekte mit besonderer Güte auszeichnen (z. B. The Gold Standard13). Ob ein Anbieter diesen Anforderungen gerecht wird, ist jeweils zu recherchieren. Als Organisation mit hohem Anspruch kann „Atmosfair“ genannt werden.

Emissionskompensationen erleichtern das Gewissen und der positive Effekt ist unbestreitbar gegeben. Damit diese Optionen jedoch nicht als Ablasshandel missbraucht werden, ist es sinnvoll, sie auf unvermeidbare Emissionen zu beschränken. Vorrangige Maßnahme sollte die Vermeidung und Verminderung von Emissionen sein.

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